Schauspielhaus Graz
Arthur Miller: Hexenjagd
Beklemmende Aktualität
(Graz, 23.9.2010). Arthur Millers im Jahre 1952 uraufgeführtes Werk, das als Reaktion auf die Kommunistenhatz der McCarthy Ära geschrieben wurde und auf wahren Begebenheiten beruht, ist noch immer höchst aktuell, denn auch in der heutigen Zeit geschieht es immer wieder, dass aufgrund von Halbwahrheiten bzw. glatten Lügen Menschen (vor)verurteilt werden, auch wenn, zumindest in Europa, die Todesstrafe abgeschafft wurde. Dazu gesellt sich im Stück ein zynischer, doppelbödiger und oft auch allzu leichtgläubiger Richter, der sich noch dazu von der Kirche beeinflussen lässt – so ist die Katastrophe vorprogrammiert.
Zur beklemmenden Atmosphäre trägt auch das schlichte, den Bühnenraum sehr verkleinernde Bühnenbild von Raimund Orfeo Voigt bei, der soeben für den heurigen Nestroy nominiert wurde, im ersten Teil beinahe nur von Kerzen ausgeleuchtet, was die Atmosphäre ebenso verdichtet wie die ständig anwesenden Akteure, die in der schnörkellosen Regie von Hausherrin Anna Badora Beeindruckendes leisten, allen voran Jan Thümer als aufrechter Landwirt John Proctor, der lieber in den Tod geht, als sein Gewissen zu verraten, und Steffi Krautz als seine immer zu ihm haltende Frau. Grandios auch die Leistungen aller Anderen: Gerti Pall und Otto David als gar nicht immer so weise Alte, Sebastian Reiß als auf seinen Vorteil bedachter und eifernder Pastor, Florian Köhler als sein zwar teufelaustreibender, aber doch um Mäßigung und Wahrheitsfindung bemühter Kollege, Heimkehrer Stefan Suske als bereits beschriebener Richter. Sehr gut auch Katharina Klar als schwer verunsicherte Mary, sowie Pia Luise Händler als um des Selbstschutzes Willen verlogene Abigail.
Nach einem Moment der Betroffenheit spendete das zum Bersten volle Haus dem Leading Team und den AkteurInnen heftigen Applaus.
Folgevorstellungen:
29. September
1., 6., 7. und 12. Oktober
5., 20. und 26. November
Text: Wolfgang Würdinger




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