Schauspielhaus Graz
Shakespeare: Hamlet
Generation lost
(Graz, 17.10.2010). Mit viel Spannung wurde die Sicht des holländischen Erfolgsregisseurs Theu Boermans auf Shakespeares Dauerbrenner erwartet, und es gelang ein großer Wurf. Das Geschehen spielt sich auf der so gut wie leeren, zu den Seiten und nach hinten nur durch dünne weiße Vorhänge abgegrenzten Bühne ab (Bernhard Hammer), vom Schnürboden schweben bzw. fallen immer wieder Kleidungsstücke, deren Farben meist symbolhaft die folgenden Szenen charakterisieren, gegen Ende türmt sich alles zu einem gewaltigen Haufen, wohl als Sinnbild für die vielen Toten. Die SchauspielerInnen sind flott und geschmackvoll nach der letzten Mode gewandet (Marion Münch). Allgegenwärtig die Security, die schon zu Beginn klarmacht, wie eng die Welt des Dänenprinzen wirklich ist, und folgerichtig wirkt er auch schon beim ersten Auftreten nicht nur grüblerisch, sondern richtig depressiv, und darauf konzentriert sich die ganze Regie, wie in einer so engen Welt die alles hinterfragende Jugend nicht gegen die entscheidungsfreudigen und machtgierigen Älteren ankann und so zum Spielball der Mächte wird.
Die Macht- und Habgier verkörpert Stefan Suske ebenso grandios wie die sich nur kurz nach dem Tod des alten Königs ihm zugewandte Gertrude (Birgit Stöger), bei der aber doch immer wieder die Mutterliebe durchblitzt. Franz Xaver Zach gibt einen wunderbar schmierigen Polonius, als sein Sohn Laertes debütiert Rahul Chakraborty glänzend, weniger glänzend die trotz Verstärkung über weite Strecken sehr textundeutliche Claire Vivianne Sobottke als Ophelia, die Wahnsinns- und Sterbeszene gelingt jedoch recht berührend. Köstlich schleimig und nach Wunsch opportunistisch Gustav Koenigs und Alexander Knaipp als Rosenkranz und Güldenstern; introvertiert, nachdenklich, besonnen und immer auf das Wohl des Freundes Hamlet bedacht Leon Ullrich als Horatio. Die stärkste Leistung kam für uns jedoch von Claudius Körber in der Titelrolle: Wie er nach der Erscheinung seines Vaters Geistes (im Programmheft nicht einmal erwähnt Otto David) von der Depression in den gespielten Wahnsinn gleitet, die wechselnden Stimmungen einfängt und immer wieder vom Getriebenen zum selbst Agierenden wird, bzw. dies zumindest versucht und zum Schluss doch scheitert, das ist bemerkenswert, noch dazu wirft er sich mit vollem Körpereinsatz in seine Rolle, eine Darstellung, die vom vollen Haus mit lautstarkem Beifall quittiert wurde, der auch alle Anderen sowie das Leading Team einschloss.
Nächste Vorstellungen:
29. Oktober
3., 13., 16. und 18 November
18. und 19. Dezember
Text: Wolfgang Würdinger





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