Stadttheater Baden
Charles Gounod: Faust
Große Oper – großer Wurf
(Baden, 22.10.2011). Das Leading Team entschied sich für die nach der Urfassung von 1859 von Fritz Oeser neu eingerichtete Dialogversion, ergänzt durch Valentins Gebet und die Ballettmusik, und dies in deutscher Sprache, was dank der besonderen Wortdeutlichkeit aller SängerInnen und des Chors der Bühne Baden erstaunlich gut funktionierte, wenn es auch streckenweise an französischer Eleganz etwas mangelte.
Das mit nur wenigen verschiebbaren Elementen und Requisiten auskommende Bühnenbild von Pantelis Dessyllas weist uns ebenso wie seine originellen und geschmackvollen Kostüme auf die Entstehungszeit des Werkes hin, die Lichtregie schafft immer wieder bemerkenswerte Effekte. Hausherr Robert Herzl gelingt dazu eine perfekte Inszenierung, jeder Gang, jede Geste sind genauestens durchdacht und mit Musik und Text im Einklang, und wo es passt, wird auch zu Showelementen gegriffen, sodass der Abend zwar kein kurzer, aber stets kurzweiliger ist, was auch von der musikalischen Umsetzung behauptet werden kann: Mehr als respektabel bewältigt das engagierte Orchester der Bühne Baden die komplexe Partitur, Chefdirigent Franz Josef Breznik entscheidet sich zwar für das eine oder andere eher ungewöhnliche Tempo, koordiniert jedoch Bühne und Graben bestens und begleitet die SängerInnen aufmerksamst.
Die für uns stärkste Leistung des Abends bietet Josef Wagner, der im Sommer in St. Margarethen mit großem Erfolg der Don Giovanni war, als Mephisto: Mit sonorem, technisch sicher geführtem Bassbariton ist der auch schauspielerisch sehr agile junge Sänger als Idealbesetzung zu werten, er kann ebenso dämonisch wie ironisch sein. Wenn man Katharina Persicke sieht und hört, wird klar, warum die Oper früher oft Margarete genannt wurde, ihr etwas herber, immer leuchtender und auch die Koloraturen mühelos bewältigender Sopran macht großen Eindruck. In der Titelrolle reüssiert Sebastian Reinthaller mit geschmeidigem lyrischen Tenor und sicheren Höhen, Reinhard Alessandri ist mit seinem hell timbrierten Bariton als Valentin ebenso bestens besetzt wie die burschikose Elvira Soukop mit klingendem Mezzo als Siebel. Christa Ratzenböck und Daniel Ohlenschlager zeigen, dass man auch aus kleineren Rollen etwas machen kann.
Folgevorstellungen in wechselnder Besetzung:
29. und 30. Oktober
4., 5., 11., 12., 13., 24. und 25. November
Text: Wolfgang Würdinger





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