Schauspielhaus Graz
Thomas Glavinic: Das bin doch ich
Rasante Bühnenversion
(Graz, 12.10.2011). Prosa auf der Bühne – kein leichtes Unterfangen. Christine Eder und ihrem Team gelingt die szenische Umsetzung von Thomas Glavinic bereits 2007 erschienenem gleichnamigen Roman souverän, vor geschlossenem Vorhang beginnt der Autor eine Dichterlesung, Requisiten machen sich auf einmal selbständig, und der Vorleser wird ziemlich aus der Ruhe gebracht; als sich der Vorhang dann öffnet, sehen wir (Bühnenbild und Kostüme von Monika Rovan) verkehrt herum aufgestellte Kulissenteile, es wird also so Manches von Innen betrachtet werden, wir erleben den Autor im Privaten mit seiner immer wiederkehrenden unbegründeten Angst vor dem Hodenkrebs, mit seiner Familie bei einer in der Steiermark stattfindenden Familienfeier und beim Schifahren – gar köstlich die Szene mit seinem geschwätzigen und daher nervenden Schwiegervater auf dem steckengebliebenen Sessellift – beim Arzt oder beim Frisör, und natürlich im karikiert und überspitzt dargestellten Kulturbetrieb – um letzteren zu ertragen, benötigt Glavinic durchaus beträchtliche Mengen an alkoholischen Getränken – auf dem Naschmarkt, bei Zusammenkünften mit KünstlerkollegInnen, oder in der Jury für eine Filmpreisverleihung. Und stets ist sein Schriftstellerkollege Daniel Kehlmann präsent, der sich über sprunghaft ansteigende Verkaufszahlen freut, während Glavinic selbst noch auf der Suche nach einem Verlag für sein neuestes Werk ist und dessen Konto ein dickes Minus aufweist. Immer wieder wird die Realität zum skurrilen und beinahe surrealistischen Aberwitz – Wolfgang Bauer hätte bestimmt seine Freude daran gehabt.
Eine schauspielerische Meisterleistung vollbringt Thomas Frank (mit dichtem Haarwuchs) als Thomas Glavinic, der eine beträchtliche Menge an Text zu bewältigen hat, noch dazu wirft er sich mit vollem Körpereinsatz in seine Rolle. Die weiteren drei Darsteller wechseln mit erheblichem Tempo ihre Rollen, Birgit Stöger ist sowohl die mit beiden Beinen im Leben stehende Ehefrau, wie eine frustrierte Blinddate-Psychologin, die Schwiegermutter und eine herrschsüchtige Kulturjournalistin, Sebastian Reiß ist meist der Schwiegervater und Glavinic‘ Stamminder, Neuzugang Christoph Rothenbuchner genügen wenige Worte und Gesten für Daniel Kehlmann, auch er schlüpft ausgesprochen wandlungsfähig in viele weitere Rollen.
Ein unterhaltsamer und kurzweiliger Abend, der dennoch kräftig an so mancher Oberfläche kratzt.
Folgevorstellungen:
19., 25. und 29. Oktober
3., 15., 24. und 25. November
31. Dezember (16 Uhr)
Text: Wolfgang Würdinger




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