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Schauspielhaus Graz

Daniel Kehlmann: Geister in Princeton

Gequältes Genie

(Graz, 5.10.2011). Raffiniert legt Daniel Kehlmann seinen Theatererstling an, in dem es um den nach Amerika emigrierten deutschen Mathematiker und Logiker Kurt Gödel geht, und raffiniert ist auch das Bühnenbild von Raimund Orfeo Voigt, in dem sich das Geschehen vor und auch hinter einer Glaswand, die je nach Situation durch- bzw. undurchsichtig ist, abspielt – so wird die Möglichkeit geschaffen, die Grenzen zwischen Realität und Irrealem fließend werden zu lassen. Wir erleben die Stationen des Lebens von Kurt Gödel mit, von der Kindheit bis zur Beerdigung, mit der das Stück auch beginnt, die heftigen Debatten nicht nur über Wittgenstein des Wiener Kreises, dessen Begründer Moritz Schlick von einem paranoiden Studenten erschossen wird, seine Ehe wird immer wieder zum Thema, die ziemlich skurril anmutende Emigration über Sibirien nach Amerika, die Gespräche mit Albert Einstein, den außer seinem – recht schwierigen – Gesprächspartner nicht mehr viel zu interessieren scheint. Zeit und Raum wirken oft aufgehoben, nebst vielen ernsthaften wissenschaftlich-philosophischen Unterhaltungen bietet Kehlmanns Stück jedoch auch immer wieder eine durchaus ironische Sicht auf seine Figuren, die hundert pausenlosen Minuten vergehen so wie im Flug, was auch der souveränen Regie von Hausherrin Anna Badora zuzuschreiben ist:

Bemerkenswert präzise und mit vielen feinen Zwischentönen ist ein perfekt aufeinander abgestimmtes Ensemble am Werk, Johannes Silberschneider ist ein zwischen Genie und Wahnvorstellungen fein ausbalancierter Kurt Gödel, dessen Alter Ego von Rudi Widerhofer verkörpert wird; den jungen Gödel gibt, nebst einem russischen Grenzer, mit der ihm eigenen Präsenz Claudius Körber, zu Recht einen Sonderapplaus heimst David Rauchenberger für seine Darstellung von Gödel als Kind ein. Mehr als typgerecht gibt Hans Peter Hallwachs den Einstein, in gleich mehreren Rollen bewähren sich Franz Solar, Stefan Suske und Franz Xaver Zach, Dominik Warta verleiht Schlick scharfes Profil, Simon Käser und Alexander Knaipp sind präsente Studenten. Ausgesprochen berührend ist das von Steffi Krautz gezeichnete Porträt von Gödels Frau, die sich mit ihrem Mann mehr als arrangiert hat.

Folgevorstellungen:
13., 14. und 15. Oktober
5., 11., 26. und 29. November

Text: Wolfgang Würdinger

 




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