Diese Seite drucken

Schauspielhaus Graz

Emergency Entrance Festival

Kulturpolitische Großtat

(Graz, 26. bis 29.1.2012). Zwei Jahre lang stellten Teams aus Europa und Israel intensive Recherchen zum Thema Migration an, erarbeiteten ihre eigenen Stücke und trafen einander bei Workshops, bevor die Ergebnisse beim Emergency Entrance Festival in Graz präsentiert wurden und erfreulicherweise starken Zuspruch seitens des Publikums erfuhren. Ergänzt wurde das Programm durch Publikumsgespräche, Workshops, ein Symposium zum Thema und natürlich abendlicher (Live)Musik. Erwähnt sei auch die hervorragende Organisation, die einen reibungslosen und entspannten Ablauf des Festivals sicherstellte.

Die Grazer Truppe präsentierte das bereits bestens bekannte Boat People, ihr aufwühlendes Dokustück, das vor allem von Seite der Schulen viel stärker hätte wahrgenommen werden können und sollen. Mit der skrupellosen Ausbeutung von Migrantinnen und dem oft zynischen Umgang der männerdominierten Justiz mit den jungen Frauen beschäftigt sich das Griechische Nationaltheater aus Athen bei Invisible Olga, das Ungarische Theater aus Cluj (Rumänien) legt bei Draculatour in einer Mischung aus Dokumentation und Fiktion stärkeres Augenmerk auf die eigene Bevölkerung und deren Umgang mit dem Mythos Dracula einerseits und der veränderten wirtschaftlichen und soziokulturellen Situation andererseits, das Habima National Theatre of Israel lässt bei The Promised Land drei Geschichten von Flüchtlingen im Kampf gegen Bürokratie und sonstige Widrigkeiten des Lebens miteinander verschmelzen und zeigt auch die oft schwierige Situation der eigenen Bevölkerung auf. Das Lachen bleibt einem manchmal im Hals stecken beim Stück des Teatro Garibaldi di Palermo, Who’s afraid of a maidservant, in dem sich zwei Rumänen als Frauen verkleiden, um Arbeit zu finden, und zwar betreuen sie eine nicht ganz einfache querschnittgelähmte Frau, die die Maskerade natürlich durchschaut, und wird ganz allgemein die prekäre Lage der Rumänen in Sizilien deutlich gemacht. My Neighbour, My Enemy, präsentiert vom National Theatre of Czech Republic, thematisiert vor allem die Romaproblematik, die oft mit Worthülsen von Regierungsvertretern abgetan wird, richtig gruselig wird es, wenn rechtsrassistische Aussagen aus dem Internet gezeigt werden.

Ein großes Kompliment an das bemerkenswerte Engagement all Jener, die zum erfolgreichen Gelingen des Festivals beigetragen haben.

Text: Wolfgang Würdinger




Kommentare

Einen Kommentar hinzufügen

This is a captcha-picture. It is used to prevent mass-access by robots. (see: www.captcha.net)
Code im Bild:
Name(*):
E-Mail:
Webseite:
Kommentar(*):
 



Linktipp:

buehnen-graz.com