Opernhaus Graz.
Strauss: Die Fledermaus
Einhelliger Erfolg
(Graz, 22.11.2009). Regisseur Stephen Lawless verlegt die Handlung in die späten Zwanzigerjahre der 20. Jahrhunderts und präsentiert Die Fledermaus nicht als harmlose Operette, sondern arbeitet schonungslos die doppelte Moral der Handlung heraus. Mit präziser Personenführung und auch so manchem Slapstick entlarvt er die Doppelbödigkeit einer vergnügungssüchtigen und morbiden Gesellschaft, ohne dass es jedoch an Schwung und guter Laune mangelt. Unterstützt wird er dabei vom minimalistisch-wandlungsfähigen Bühnenbild von Benoît Dugardyn und den originellen und geschmackvollen Kostümen von Ingeborg Bernerth. Dazu kommt die tadellose musikalische Umsetzung der Partitur durch das Grazer Philharmonische Orchester unter Marius Burkert, der zwar sehr auf Präzision und Klangtransparenz setzt, aber doch zum einen oder anderen Rubato greift und den einen oder anderen Schmierer zulässt, und so der herrlichen Musik von Johann Strauss die notwendige Würze verleiht, eine schöne Leistung.
Die SängerInnenriege ist ohne Fehl und Tadel: Arpiné Rahdjian ließ sich ansagen, überzeugte aber mit ihrem runden und ebenmäßig geführten lyrisch-dramatischen Sopran als Rosalinde, einzig vereinzelte Schärfen in der Höhe ließen auf eine Indisposition schließen, schauspielerisch bewältigt sie die Mischung aus sich nach Liebe sehnender Frau und Grande Dame souverän. Ebenso souverän in Spiel und Gesang ist Margareta Klobučar als durchaus karrierebewusstes Stubenmädel Adele, Dshamilja Kaiser gibt mit volltönendem Mezzo einen mehr als androgynen Prinzen Orlofsky. In der Rolle des Eisenstein überzeugt Herbert Lippert mit seinem edel geführten lyrischen Tenor, es ist nicht zu übersehen, dass ihm die Inszenierung ebenso Spaß bereitet wie Ivan Oreščanin als Falke mit virilem Bariton und Wilfried Zelinka als Gefängnisdirektor Frank. Marlin Millers (Alfred) Spielfreude ist ebenso bekannt wie sein strahlender Tenor. Ungewöhnlich scharfes Profil verleiht Manuel von Senden dem Dr. Blind, eine gar köstliche Studie des österreichischen Beamtencharakters liefert Robert Meyer als Frosch ab, ohne je in Banalität oder Outrage zu verfallen.
Eine rundum gelungene Produktion also, die einen ganzen Abend lang gute Laune versprüht und dennoch nachdenklich stimmt, so soll Operette sein!
Folgevorstellungen:
25. und 27. November 2009
2., 4.12. und 31. Dezember 2009
3., 7., 9., 16. und 24. Jänner 2010
5. und 11. März 2010
8., 11. und 24. April 2010
Text: Wolfgang Würdinger






Kommentare
29.11.2009, 02:30 - Leo Teuscher
Nun sah ich eine Fledermaus im banalen Gleitflug, nix war wirklich verkehrt ausser der unendlich lauten und unsensiblen Musik durch das Dirigat und die schlampig musizierenden Musiker,einzig wirklich gut war der Frosch, und der Rest gääääähn