Stadttheater Baden
Leo Fall: Die Dollarprinzessin
Schwaches Stück – starke Aufführung
(Baden, 18.6.2011). Bei manchen Stücken ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie in der Versenkung verschwunden sind, im Fall der Dollarprinzessin ist wohl die selbst für eine Operette dürftige Handlung dafür der Hauptgrund, dennoch ist ein Besuch lohnenswert, und das vor allem wegen der inspirierten Musik von Leo Fall, und natürlich wegen der Qualität der Aufführung, die jedoch auch nicht, besonders im zweiten Teil, die eine oder andere Länge zu ganz zu verhindern mag.
Dem millionenschweren amerikanischen Industriemagnaten Couder fehlt nur eines zu seinem Glück: Ein europäischer Adelstitel, mit dem er seinen Namen schmücken kann. Deshalb will er seine Tochter Alice und seine Nichte Daisy mit deutschen Adeligen verheiraten, wobei er natürlich auch prompt einigen mehr oder weniger liebenswerten Schwindlern auf den Leim geht. Couder selbst lässt sich von seinem Bruder Tom eine „echte russische Gräfin“ in Europa suchen: Olga – eine Chansonette mit Phantasie und Vergangenheit. Ehe es zum allseits versöhnenden Operetten – Happyend kommt, dreht sich das Karussell der Missverständnisse und Verwirrungen, der Liebe und des lieben Geldes.
Und genau so setzt Regisseur Wolfgang Dosch das Geschehen in Szene, nämlich revueartig, was durch das Bühnenbild von Stefan Weil, der auch die ausgesprochen geschmackvollen und farbenprächtigen Kostüme entworfen hat, trefflich unterstützt wird. Die Titelrolle, die ebenso verwöhnte wie mit einer Rechenmaschine in Kopf und Herz ausgestattete Millionärstochter wird von Katja Reichert mit viel Verstocktheit und aufblühendem Sopran verkörpert, dass sie dann doch ihre wahren Gefühle zeigt, ist beim Charme und beim Tenorschmelz, mit dem Publikumsliebling und Neointendant (ab 2014) Sebastian Reinthaller keineswegs geizt, nicht verwunderlich. Als Millionärsvater macht Fritz Hille ebenso beste Figur wie die reizende Laura Scherwitzl als seine Nichte, die ebenfalls unter die Haube zu bringen ist und in Alec Otto einen Partner mit sicher geführtem Tenor findet. Als Olga brilliert Ingrid Habermann mit einer guten Portion an Selbstironie, die beiden Komiker, die im gegenständlichen Fall die Bösen sind, werden von Ronny Hein und Walter Schwab typgerecht verkörpert. Zum Gelingen des Abends tragen auch das inspiriert tanzende Ballett, der musikalisch und schauspielerisch engagierte Chor, sowie das schwungvoll aufspielende Orchester unter der umsichtigen und animierenden Leitung von Oliver Ostermann bei.
Folgevorstellungen:
14., 15., 23. und 24. Juli
7., 13., 17. und 31. August
Text: Wolfgang Würdinger





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