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Schlossfestspiele Piber

Der Widerspenstigen Zähmung

Schlag nach bei Shakespeare

(Schloss Piber, 1.7.2010). Allen Gewitterwarnungen zum Trotz präsentierte sich der Himmel in strahlendem Blau, als Schloss Piber seinen eleganten Innenhof zum ersten Mal für die Schlossfestspiele öffnete. Die Arkaden in ihrer streng geometrischen Formensprache waren genug Bühnenbild für Shakespeares immer aktuelle Komödie um den ewigen Kampf zwischen den Geschlechtern. Auch der herbe Duft der archaischen Fortbewegung hoch zu Ross, welchen das benachbarte Gestüt verströmte, erhöhte durchaus angenehm den historischen Anspruch des Abends.

Durch eine Fanfare zu den Plätzen gerufen erwartete die geneigten Zuseher dann ein flotter Theaterabend. Angeführt wurde das Ensemble durch die Hauptrollen der Katharina (Agnes Julia Rede) und Petruchio (Bernd Sracnik), welche in turbulenter Zweisamkeit über die Bühne fegten. Im vorehelichen Kampfgetümmel durfte auch mal eine Flasche am Kopf des (noch nicht) Angebeteten zerschellen. Diese beiden Protagonisten zeichnen auch für die Regie verantwortlich. Ebenbürtig erwiesen sich auch die Diener Tranio (Alexander Kropsch) und Grumio (Alexander Desmond), welcher auch mit einer wohlklingenden Gesangseinlage zu begeistern vermochte und dem Publikum einen spontanen Szenenapplaus entlockte. Auch Eik Breit (Hortensio) und G.T. Schubert (Gremio) füllten ihre Rollen vortrefflich aus. Hervorragend überzeugte auch Roots Wallner als Priester und Vincentio. Dagegen muteten Ute Walluschek-Wallfeld als Bianca und Werner Halbedl als Lucentio etwas brav und farblos an. Horst Goldemund als Baptista mangelte es leider an Ausdruckskraft und Textsicherheit.

Angenehm abwechslungsreich gestaltete sich auch die Dramaturgie: Shakespeare’sche Sprachmuster reihten sich an moderne und flapsige Passagen – da sei das visuelle und auditive Product-Placement für ein österreichisches Energygetränk verziehen. Die zeitliche Kürzung der „Zähmung“ nimmt dem Stück zwar etwas an Spannung (gelingt es oder nicht?), tut dem Unterhaltungswert allerdings keinen Abbruch. Dass Shakespeare seine Kratzbürste durch männlichen Psychoterror zum Lämmchen werden lässt, mag heute zwar nicht mehr politisch korrekt erscheinen, stört im historischen Zusammenhang gesehen aber keineswegs. Lustig auch die mehrmaligen Anspielungen auf den Spielort – hat man doch Padua kurzerhand in Piber verwandelt.

Die eine oder andere animalische Überraschung stand auch am Programm: Nachdem Petruchio auf einem Esel zur Hochzeit ritt, war niemand mehr überrascht, als eine Schlosskatze während der Pause die Bühne okkupierte.

Die Kostümgestaltung war harmonisch und ist mit schlicht, aber ergreifend gut umschrieben. Und Eingeweihte erkannten in den so weit wie möglich zu Berge stehenden Frisuren die Handschrift von Alexander Desmond.

Interessant ist auch das Angebot, den Theaterbesuch mit einem Dinner zu kombinieren. Ganz elegant sitzt man dann seitlich vom „Parkett“ leicht erhöht an Tischen (Logen) und darf sein Sitzfleisch in wohlig gepolsterten Samt betten, anstatt dieses in wackeligem Plastikgestühl beleidigen zu lassen.

Folgevorstellungen:
03., 09., 10., 16., 17., 23., 24., 30. Und 31. Juli 2010

Text: Walter Rudich




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Linktipp:

www.schlossfestspiele-piber.at