Schauspielhaus Graz, Probebühne
Roland Schimmelpfennig: Der Goldene Drache
Absurdistan ist nicht weit
(Graz, 29.9.2011). Ausgehend von der Küche des Thai-China-Vietnam Schnellrestaurants DER GOLDENE DRACHE, in der ein illegaler Koch mit heftigen Zahnschmerzen von seinen KollegInnen zu Tode kuriert wird, erfahren wir mehr über die Gäste des Lokales und die Bewohner des Hauses, wie z. B. zwei Stewardessen, einen schrulligen Lebensmittelhändler, einen alten Mann und seine Enkelin, die von ihrem Freund ungewollt schwanger wurde. In meist sehr kurzen, von den DarstellerInnen kommentierten Sequenzen werden Schicksale dargelegt, die sich mit der Fabel von der Grille und der Ameise (nach Äsop und de la Fontaine) vermischen; die nur fünf SchauspielerInnen haben insgesamt achtzehn Rollen zu bewältigen, Frauen werden von Männern, Männer von Frauen gespielt, alles spielt sich um und in einem weißen Riesenwok ab (Bühne Thea Hoffmann-Axthelm). Märchen und Realität werden in tragikomischer Weise miteinander vermengt, Einzelschicksale aus unserer globalisierten Welt hervorgehoben, es geht um Liebe und Tod, um Benutztwerden und Ausbeutung, und immer wieder gibt es starke Anklänge ans absurde Theater, das Stück wechselt schnell zwischen Ernsthaftigkeit und Unterhaltung.
In der rasanten Regie von Grazdebütant Sarantos Zervoulakos brillieren mit vollem Körper- und Stimmeinsatz die vom Publikum heftig akklamierten Pia Luise Händler, Evi Kehrstephan, Raoul Chakraborty, Florian Köhler und Patrick Seletzky, der als Grille ein wahres Kabinettstück abliefert.
Folgevorstellungen:
11., 18. und 24. Oktober
5. und 2. November
Text: Wolfgang Würdinger



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