Opernhaus Graz.
Darrel Toulon: Nomaden
Geglückte Symbiose
(Graz, 6.3.2010). Um ehrlich zu sein, ganz konnten wir uns vor dem Besuch des diesjährigen abendfüllenden Balletts nicht vorstellen, wie denn Darrel Toulons vorwiegend dem Ausdruckstanz zugewandter Stil mit der Musik von Johann Sebastian Bach (325. Geburtstag) vereinbar sei – doch siehe da, das Ergebnis ist ein durchaus Bemerkenswertes, die beiden scheinbaren Antagonisten verbinden sich harmonisch zu einem effektvollen Ganzen.
Im ästhetisch schlichten Bühnenbild von Alfred Peter, der auch für die Kostüme verantwortlich zeichnet, und welches sowohl als Bahnhofshalle wie auch als Flughafentransitraum imaginierbar ist, lässt Toulon seine siebzehnköpfige, aus zwölf Nationen stammende Compagnie als moderne Nomaden durch den Abend ziehen und zeigt sie in unserer globalisierten Welt in der ganzen Bandbreite des Nomadentums vom Businessman bis zum vertriebenen Krüppel, immer wieder treten sie zueinander in mehr oder weniger flüchtige Beziehungen, es gibt manch kollektives Erlebnis, natürlich kommen immer wieder Aggressionen hoch, eine große Palette an Gefühlen von Menschen, die sich auf einer mehr oder weniger langen Reise befinden, wird von sämtlichen Mitgliedern der Truppe mit nicht zu übersehendem – und teilweise auch lautstark artikuliertem – Engagement bei gleichzeitig phantastischer Präzision ausgeführt. Daher verzichten wir auf die Nennung einzelner Namen, freuen uns über die grandiose Leistung des Kollektivs und auch darüber, dass sich die neuen Mitglieder so nahtlos in die bestehende Truppe integrieren konnten.
Tecwyn Evans lässt das bestens disponierte Grazer Philharmonische Orchester einen zwar üppigen, aber immer transparenten und vor allem drivigen Bach musizieren, was sich wiederum befruchtend auf die TänzerInnen auswirkt. In den Ausschnitten aus diversen Vokalwerken brillieren der wortdeutliche und kultivierte Chor, sowie Lucia Kim, klangschön und ebenfalls wortdeutlich wie immer, Ivan Oreščanin mit stellenweise zu wenig ausgeprägter Tiefe und Martin Fournier, der besser als hier nicht eingesetzt sein könnte, schlanke und schlackenlose Stimmführung gipfelt in strahlenden Höhen.
Folgevorstellungen:
13., 21. 24. und 26. März
14. und 25. April
9. und 22. Mai
Text: Wolfgang Würdinger






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