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Opernhaus Graz.

Kálmán: Die Csárdásfürstin

Paprika im Schützengraben

(Graz, 23.1.2010). Und dort blieb er leider auch über weite Teile der mit nur einer Pause über dreistündigen Aufführung.
Zu Beginn befinden wir uns originalgetreu im Budapester Orpheum, was auffällt, ist, dass Sylva Varescu ihr Auftrittslied zunächst ohne Publikum vorträgt, das erst nach und nach unter den Tischen hervorkriecht, und hier sind wir bereits beim ersten Déjà-vu, denn Peter Konwitschnys Vorliebe für sich auf allen Vieren fortbewegenden DarstellerInnen ist hinlänglich bekannt. Nicht lange dauert es, bis die ersten Granaten explodieren – hoffentlich glauben historisch weniger Versierte nicht wirklich, dass im Ersten Weltkrieg eine Frontlinie durch Budapest verlief – und bis zum dritten Akt ist vom Orpheum gar nichts mehr übrig, die übliche Endzeitstimmung breitet sich aus, bevor es doch noch zum Happyend kommt, und aus den Trümmern neue Liebe sprießen darf. Bis es soweit ist, wird auch von den Darstellern munter gefeuert, bloß, die seinerzeit in Dresden zum Skandal führende Handgranate des Fürsten, nach deren Wurf die Leichenteile aus dem Schützengraben fliegen, erregt in Graz die Gemüter kaum, Sylvas Tanz mit einer kopflosen Leiche und das Invalidenballett werden ebenso mit einer gewissen Gleichgültigkeit quittiert wie die Verwandlung des Kellners Miksa in Adolf Hitler. Was uns nicht weiter wundert, denn so oder so ähnlich hat uns das sogenannte Regietheater schon so manches Stück präsentiert: Wir wissen schon, dass in der Csárdásfürstin die morbide Gesellschaft der knapp vor dem Ersten Weltkrieg stehenden Donaumonarchie gezeigt wird, wir wissen auch, dass im Ersten Weltkrieg bisher nie dagewesene Grausamkeiten passierten, und wir wissen auch, dass die Friedensverträge einen der Grundsteine für die Hitlerdiktatur legten, muss man das noch immer mit dem Holzhammer eingedroschen bekommen, es wirkt schon ziemlich abgedroschen, noch dazu, wenn es über weite Strecken mit lähmender Langsamkeit zugeht, und die Dialoge über Gebühr gedehnt werden. Auch die Slapsticks und Bonis Mozartkugeln erweisen sich eher als Fehlzündungen. Da kommt einfach nur Langeweile auf, auch weil sich der musikalische Duktus oft dem szenischen anzupassen hat, wir wissen, dass das Duett Weißt du es noch eine valse lente ist, aber derart verschleppt müsste das Tempo auch nicht sein, um nur ein kleines Beispiel zu nennen.
Dort allerdings, wo sie dürfen, wie sie wollen und können, führen Tecwyn Evans und das Grazer Philharmonische Orchester Kálmáns Partitur mit viel Drive gar prächtig auf, nicht nur einmal dachten wir an die Zeiten zurück, als Walter Goldschmidt noch den Taktstock schwang, eine tolle Leistung. Éva Bátori (Sylva Varescu) ist zweifelsohne eine sehr gute jugendlich-dramatische Sopranistin, für die Operettendiva fehlt es jedoch an Ausstrahlung und stimmlicher Sinnlichkeit, über weite Strecken ist sie nicht sehr wortdeutlich, und es ist nicht zu überhören, dass sie sich mit den Dialogen ebenso plagt wie Ladislav Elgr als Edwin Ronald, dessen hübsch baritonal timbrierter Tenor sich nicht ganz mühelos in die hohen Regionen aufschwingt. Für Martin Fournier ist der Boni eine Nummer zu groß, trotz dirigentischer Rücksicht ist er oft schwer hörbar. Als Stasi gibt Sieglinde Feldhofer mit quirlig-natürlichem Spiel und technisch sauber geführtem Sopran eine weitere Talentprobe ab, sicht- und vor allem hörbar wohl fühlt sich Götz Zemann als Feri bácsi.

Für uns steht nach diesem Abend endgültig fest, diese Art der Regie hat sich selbst überlebt, die Diskussion ist eröffnet …

Folgevorstellungen:
27. Jänner
6. und 24. Februar
7., 14., 19. und 25. März
9. und 17. April

Text: Wolfgang Würdinger




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    25.02.2010, 02:33 - JJ

    Lan­ge­wei­le und laut trat­schen­des Pu­bli­kum haben mich heute vor­zei­tig ver­scheucht.
    Scha­de um die Res­sour­cen un­se­res wun­der­ba­ren Opern­hau­ses.









Linktipp:

buehnen-graz.com