Schauspielhaus Graz
Noël Coward: Fröhliche Gespenster
Abgründiger britischer Humor
(Graz, 25.3.2011). In Gefahr schien der Premierentermin wegen plötzlicher Erkrankung der Darstellerin der verstorbenen ersten Frau des Protagonisten, des Autors Charles Condomine, die nach einer Séance, welche er für seine schriftstellerischen Zwecke veranstaltet, als ihm nicht von der Seite weichendes Gespenst erscheint, das aber nur er sehen und mit dem nur er kommunizieren kann, was zu vielen Verwechslungen und Missverständnissen führt. In durchaus realer Gestalt von Katja Kolm wurde glücklicherweise kurzfristig Ersatz gefunden, und fügte sich Frau Kolm mit nur ganz wenigen Proben nahtlos in die Inszenierung der Schweizer Regisseurin Barbara-David Brüesch ein, welche die mit viel hintergründigem Humor (an mancher Stelle blieb einem beinahe das Lachen im Halse stecken) ausgestattete Komödie im geschmackvollen und für manche Überraschung guten Bühnenbild von Damian Hitz sehr schwungvoll inszenierte, vor allem Claire Vivianne Sobottke als Dienstmädchen hatte wahrhaft akrobatische Kunststücke zu absolvieren, was ihr auch bravourös gelang, nur die vielen Laufereien konnte sie allein gar nicht bewältigen und wurde daher von der Regieassistentin Judith Wille gedoubelt.
Ohne auch nur einmal auf die im Uraufführungsjahr 1941 für England sehr schwierige Situation anzuspielen, schuf Coward diese Komödie, um sein Publikum wenigstens für einen Abend lang vom Krieg abzulenken, auch heute noch ist die Thematik von Monogamie, Treue und Eifersüchtelei, und natürlich dem Glauben ans Übersinnliche ganz aktuell; dazu karikiert er ganz köstlich die bessere englische Gesellschaft mit ihren oft überspitzten Reaktionen auf mehr oder – im gegenständlichen Falle – weniger alltägliche Situationen.
Auch die noch zu erwähnenden, von Corinne Rusch liebevoll und originell eingekleideten SchauspielerInnen brillieren allesamt: Stefan Suske als Charles Condomine, der selbst immer mehr an seinem Image als liebevoller und treuer Ehemann kratzt, Birgit Stöger als seine das Stück auch nicht überlebende zweite Frau, von der man nicht so genau weiß, ob sie ihren Mann um seinetwillen oder doch mehr wegen seines Erfolges und seines Geldes liebt; die unverwüstlichen Gerti Pall und Otto David als befreundetes Ehepaar, über deren große Kunst zu berichten Eulen nach Athen tragen hieße. Und natürlich Steffi Krautz als schrullig-exzentrische Parapsychologin Mme Arcati, die die gutbürgerliche Gesellschaft ordentlich aufmischt.
Nicht unerwähnt bleiben darf auch die perfekt aufs Stück und seine Zeit abgestimmte Musik von Gaudenz Badrutt und Christian Müller.
Das Publikum spendete der kurzweiligen Aufführung begeisterten Applaus, angesichts der gebotenen Leistungen sieht man auch über so manche Übersetzungsungenauigkeit hinweg – last night sollte man doch mit gestern Abend und I am angry with her nicht mit Ich bin ärgerlich mit ihr übersetzen, aber das ist nun wirklich schon philologische Beckmesserei des Rezensenten.
Nächste Vorstellungen:
31. März
2., 6., 12. und 29. April
17., 24. und 28. Mai
Text: Wolfgang Würdinger





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