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Opernhaus Graz

Alban Berg: Lulu

Starke Eindrücke

(Graz, 12.5.2010). Bereits bei seinem Regiedebüt in Graz – im Herbst soll Don Giovanni folgen – überzeugte der auch die Musikerlaufbahn durchlaufen habende Johannes Erath vollkommen. Er inszeniert im sehr sparsamen und doch wandlungsfähigen Bühnenbild von Katrin Connan Alban Bergs Lulu weniger als Drama des fin de siècle, sondern konzentriert sich auf die psychologischen Beziehungen der handelnden Personen, die er präzise herausarbeitet, angereichert mit eigenen Zutaten, wie z. B. dem Wiederauftreten so mancher bereits Gestorbener oder der Einführung von Lulus Doubles.

Männermordender Vamp oder unschuldige Kindfrau? Das ist die zentrale Frage, die Erath diplomatisch gelöst hat: er zeigt Lulu eher als letztere, die sich aber doch ihrer (fatal-letalen) Wirkung auf die Männerwelt sehr wohl bewusst ist, und Margareta Klobučar setzt diese Idee souverän um, geizt keineswegs mit ihren Reizen, gleitet jedoch nie ins Gewöhnliche oder gar Ordinäre ab, eine grandiose schauspielerische Leistung, die von einer ebensolchen sängerischen ergänzt wird, mühelos meistert Klobučar ohne Schärfen in der Höhe und ausgesprochen wortdeutlich sämtliche Anforderungen der so schwierigen Partie.

Lulu ist aber auch ohne gut eingespieltes Ensemble nicht denkbar, und über ein solches verfügt die Grazer Oper ja glücklicherweise: Iris Vermillion gibt eine schönstimmig intensive Geschwitz, Ashley Holland den machtlos-machtbesessenen Dr. Schön, Herbert Lippert mit bis in die geforderten Höhen strahlendem Tenor dessen Sohn Alwa, Konstantin Sfiris verkörpert eindringlich den zwielichtigen Schigolch, und Wilfried Zelinka – groß bei Stimme und darstellerisch intensiv – ist sowohl der Tierbändiger wie auch der Athlet, der auch noch zu Lulus Opfer wird.

Obzwar sich Friedrich Cerhas dreiaktige Fassung, die er bei der letzten Grazer Aufführung vor beinahe dreißig Jahren auch selbst dirigierte, auf den internationalen Bühnen sehr gut behauptet, setzt die Grazer Oper auf die zweiaktige Torsoversion, ergänzt vom Adagio aus der Lulusuite und von Ausschnitten aus Alban Bergs Violinkonzert, was sich auch zu einem Ganzen rundet. Johannes Fritzsch hat mit dem konzentriert spielenden Grazer Philharmonischen Orchester hörbar intensiv gearbeitet und setzt mit viel Liebe zum Detail oft scharfe Konturen.

Folgevorstellungen:
28. und 30. Mai
18., 20. Und 23. Juni

Text: Wolfgang Würdinger




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