Stadttheater Baden
Irving Berlin: Annie Get Your Gun
Wildwest am Rand des Wienerwaldes
(Baden, 13.2.2011). Im seligen Jahr 1956 holte der unvergessene Marcel Prawy Kiss Me, Kate als erstes Musical an die Wiener Volksoper, und schon im Jahr darauf folgte Annie Get Your Gun, das trotz hervorragender Besetzung den Riesenerfolg nicht ganz wiederholen konnte. Seitdem ist das Stück in Österreich etwas in Vergessenheit geraten, aber, wie die Badener Aufführung beweist, keineswegs in die Jahre gekommen.
Erzählt wird die (wahre) Geschichte der Scharfschützin Annie Oakley, die zum Star der Buffalo Bill-Western-Show wurde. Sie verliebt sich in Frank Butler, deren Star. Als sie ihn beim Wettschießen besiegt, trennen sich ihre Wege, er geht zu einer konkurrierenden Western-Truppe. Als später aus finanziellen Gründen die beiden Truppen fusionieren, bricht der alte Wettstreit wieder aus – diesmal schießt Annie daneben – es kommt zum Happy-End, wozu auch der gewitzte Indianerhäuptling Sitting Bull nicht unwesentlich beiträgt.
Erich Schleyer gestaltet – souverän und die Bühne beherrschend – nicht nur den Buffalo Bill, sondern tritt auch immer wieder aus der Handlung heraus, fungiert als Conferencier und Spielmacher, und lockert so das Stück lässig auf. Regisseur Attila E. Láng braucht in der originell-praktikablen Ausstattung von Dietmar Solt nichts mehr Anderes zu tun, als für einen reibungslosen und schwungvollen Ablauf zu sorgen, denn von There’s No Business Like Showbusiness bis zu Anything You Can Do, I Can Do Better reiht sich ein Ohrwurm an den nächsten, wie viele ganze Musicals würden heutige Komponisten aus dieser Melodienfülle machen? Auch die übrige Besetzung ist ohne Fehl und Tadel: Die Titelheldin wird von Johanna Arrouas hervorragend gespielt, gesungen und auch getanzt, Frank Butler von Thomas Sigwald mit der richtigen Mischung aus Machismo und Verliebtheit dargestellt. Das zweite Paar, bei einer Operette würde man Buffopaar sagen, ist bei der bezaubernden Katrin Fuchs und bei Andreas Sauerzopf, die beide ebenfalls gut spielen, singen und tanzen, bestens aufgehoben. Ein Kabinettstück liefert Wilhelm Seledec als bedächtiger Sitting Bull, mit köstlicher Komik statten Michaela Mock und Beppo Binder ihre Rollen aus.
Mit viel Schwung und dem richtigen drive waltet Oliver Ostermann an der Spitze des sauber und animiert spielenden Orchesters seines Amtes, mit Präzision und sichtbarer Freude agieren wie immer Chor und Ballett der Bühne Baden.
Zum Schluss eine ganz persönliche Anmerkung: Ich hätte es vorgezogen, wenn man nur die Dialoge auf Deutsch gebracht und die Gesangsnummern auf Englisch gelassen hätte, das ist aber Geschmackssache, sehens- und hörenswert ist die Aufführung allemal.
Folgevorstellungen:
18. und 26. Februar
5., 6., 12., 13., 17., 18., 24., 26. und 27. März
Der Spielplan der Sommerarena ist bereits erschienen, zu den Premieren von Leo Falls Dollarprinzessin und Franz von Suppés Boccaccio kommen noch die Wiederaufnahme der Erfolgsproduktion von Les Misérables, sowie als Schauspielproduktion Raimunds Der Verschwender.
Text: Wolfgang Würdinger




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