Warum ein Schraubenzieher noch keinen Mann ausmacht, über große Gefühle und kleine Prozentsätze
Zu zweit ist man weniger allein
Meine Teuersten! Diese Kolumne dreht sich heute um ein Thema, das die Welt bewegt. Zweifelsfrei wurde über nichts anderes mehr geschrieben als darüber (Gott vielleicht ausgenommen), nichts anderes macht aus rational denkenden Menschen gefühlsdusselige Nervenbündel. Und NEIN, es geht nicht um Fußball. Es geht um die Liebe … und um das, was wir draus machen – gemeinhin „Beziehung“ genannt.
Es ließe sich mehr als ein Leben damit verbringen, über alle möglichen Formen zwischenmenschlichen Sympathisierens zu schreiben. Überzeugt euch beizeiten davon, wenn ihr ein Büchergeschäft betretet.
Im wirklichen Leben bleibt es spannend: Wir erleben Gefühle, die einseitige bleiben, Beziehungen ohne Liebe, darüber hinaus platonische Beziehungen, „wir sind nur Freunde“, Zweierkonstellationen mit ausschließlichem Kopulationshintergrund und verstörende One-Night-Stands. Diese Aufzählung ist nicht erschöpfend, doch ich besinne mich nun zurück auf den Hintergrund dieser Kolumne und die abenteuerliche Angelegenheit, als gleichgeschlechtlich LiebendeR eine „bessere Hälfte“ zu finden. Kleines Rechenbeispiel: Man geht davon aus, dass 10% der Bevölkerung lesbisch bzw. schwul sind. Geht man innerhalb dieser Zahl davon aus, dass das Mann-Frau-Verhältnis dem der Gesamtbevölkerung entspricht, kommt man auf einen Anteil von 5% an möglichen PartnerInnen. Und dann wird gesiebt, denn auch wir nehmen nicht das Erstbeste: Decken sich Interessen und Einstellungen, ist das Alter ein Problem, passt man zueinander? Ganz normale und legitime Fragen, aber schlussendlich bleiben von den 5% nicht mehr allzu viel übrig. Ich wage zu behaupten, dass der Anteil an frustrierten Singles unter Homos höher ist als bei Heteros. Gegenmeinungen herzlich willkommen. :-)
Aber manchmal, ja, manchmal passiert das Unglaubliche. Frau trifft andere Frau, lernt sie kennen, gerät in ernste Gefühlsturbulenzen, bereitet den Fallschirm vor, damit der Absturz auf den Boden der Realität nicht allzu weh tut und landet stattdessen in starken Armen. Ende gut, alles gut? Nein, das Abenteuer beginnt erst. Man kann auch keinen Topf auf den Herd stellen und darauf warten, dass sich das Mittagessen selber kocht. Und da gibt’s noch was … Kennt ihr diesen dummen Witz, warum zwei Männer nicht heiraten können? Die ach so originelle Antwort ist die, dass keiner von beiden ins Brautkleid passt. Stimmt übrigens nicht – alle, die schon mal am Tuntenball waren, können das bestätigen. Es geht um die ewige Frage, wer in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung „der Mann“ und wer „die Frau“ ist. Leute, die diese Frage stellen, dürften nicht ganz hell auf der Platte sein. „Gleich-geschlechtlich“ beinhaltet ja schon, dass es sich um zwei Menschen gleichen Geschlechts handelt. Ach, geht es darum, wer kocht und wer das Auto repariert? Wer jetzt ernsthaft annimmt, man könne so Rollenbilder in einer Beziehung festlegen, soll sich in die Ecke stellen und schämen. Vielmehr sieht es so aus: JedeR macht das, was sie/er am besten kann, und das muss sich in jeder Beziehung erst ausgemacht werden. Die, die das IKEA-Regal zusammenschraubt, steht an einem anderen Tag vorm Bügelbrett; die leidenschaftliche Köchin kann auch ganz anders und macht einem Besoffenen klar, dass seine Hand auf dem Po ihrer Freundin rein gar nichts zu suchen hat. Das ist wohl etwas, das Schwule und Lesben anderen Beziehungsformen voraushaben: Ein stiller Vorwurf á la „du bist ja der Mann, also reparierst du den Abfluss“ zieht nicht. Die Genderfrage wird notwendigerweise thematisiert und, oftmals, auch gelöst.
Zu einer Beziehung gehört so einiges; manches muss man hinnehmen und anderes schafft man. Zu ersterem gehören sicher die werten Schwiegereltern. Und die präsentiere ich euch nächstes Mal …
Text:


Kommentare
07.01.2008, 16:44 - Eva
ähm, ich habe eigentlich nur eine anmerkung zur grafik:
wenn man schon die frauen idealisiert darstellt (große brüste, schmale taille, ...) sollte man das bitte bei den männern auch machen (breite schultern, schmale hüften) ...
ansonsten finde ich es wirklich gut, dass man hier endlich mal von der hosen/kleid abstrahierung weggekommen ist.
02.09.2007, 12:30 - Mario
ob frustriert oder nicht ist doch eingentlich wurscht. sind wir nicht alle mal frustriert in der einen oder anderen beziehung? dem einen passt sein schwanz nicht, dem anderen sein pelz, der anderen ihre brüste, usw. dafür gibts ja heute genügend leute die meinen sich um diese frustrationen kümmern zu müssen und damit viel geld verdienen. also leute lieber nach vorne blicken und alle frustrationen über bord werfen und an die schönen dinge (!) im leben denken. ich glaube ja das wir da in der homo comunity gar nicht so schlecht drann sind, weil wir habens eigentlich gelernt unsere beziehungen mehr oder weniger offen zu gestalten, sodass sie weniger frustrationsgefärdet sind. außerdem meine ich, dass schwule und lesben dadurch auch einen besseren zugang zu ihren sexuellen bedürfnissen haben und das macht das leben schon mal um vieles lebenswerter. was gibts schöneres als eine beziehung in der jeder noch mensch sein darf und dazu gehören ja schließlich auch unsere sexuellen bedürfnisse. und wer schwert sich heute schon noch um das verkackten Gsindel der Kirchen. sind doch alles psychopathen, die den anderen das schönste im leben vermiesen wollen, weil sie erkannt haben, dass es sich dabei um das schönste im leben handelt und wir sogesehen alle 'sünder' sind.
mittlerweile habens ja wohl alle kapiert, dass wir schwulen und lesben alles haben können was wir wollen. auch die sogenannte familie, denn wer kann uns davon abhalten miteinander kinder zu haben - wohl niemand!! das liegt ja an uns - oder nicht??
15.07.2007, 00:20 - Tom
Hallo. Ich denke nicht das es nur in gleichgeschlechtlichen Kreisen so viele frustrierte Singles gibt, ich denke auch das es auch viele Heterosexuelle es heute sehr schwer haben. Egal Homo oder Hetero bei einer Beziehung, zerbrechen kann sie überall. Natürlich kann es sein das Heteros leichter eine Beziehung haben als Homos, dies ist aber nur eine Theorie. Ich finde man muss sich in einer Beziehung Zeit lassen.
29.09.2006, 00:11 - Pollux
Tja, wie manche schwestern/onkel genau wissen, wie schwule beziehungen aussehen. Dabei lasse ich mir weder von einer kutte, noch sonst jemanden, irgendwohin (und schon garnicht ins bett) schauen.
Nun, ob es gefaellt oder nicht, wir sind seit 24 jahren zusammen. Auch wenn es gesetzgeber nicht wahr haben wollen. Dabei haben wir nicht einmal diese WG, weil es uns der hausbesitzer einfach verboten hat in einer kleinen wohnung gemeinsam zu wohnen. Erst nach 10 jahren konnten wir auch die wohnung darunter mieten, damit ich nicht immer ein u-boot im haus sein muss.
Und wie oft wir verkehren? Ja, da haetten granatiert auch so manche moenche schon feuchte traeume, wenn wir beichten gegangen waeren. Nix schatzln, das bleibt unter uns, aber es entspricht garantiert dem europaeischen heteroschnitt nach 24 jahren beziehung!
Oder meint jemand, ich bin auf der nudelsuppe dahergeschwommen, und weiss nicht wie es auf der welt aussieht?
11.08.2006, 20:41 - greta
Liebe Grüsse aus Wien, meine Lieben.
...und nun zum Thema...
Dadurch, dass wir die heterosexuellen Beziehungsstereotypen nicht übernehmen wollen, haben wir neue für uns entdeckt. Meistens geht es da um die Frage: Wer darf wann mit wem....
Laßt mich ein wenig Schubladisieren (sofern das überhaupt einen Zweck hat, dann den, dass ich hier mal einen Kommentar schreiben möchte ;-)
Ich identifiziere da immer wieder die sogenannte "offene" Partnerschaft - wo in 2-er, 3-er, 4-er Konstellationen kopuliert wird, dann gibt es die "treue" Beziehung, wo man sich (leider doch nur zu 50% - einer muß ja immer der Dumme sein*seufz) ausmacht treu zu sein.
Dann gibt es die "schlampigen" Verhältnisse, wo man sich nichts ausmacht und nicht darüber redet, dann die "Beziehungsverweigerer" - die lauthals schreien, sie wollen ewig single sein, und sich dann doch monatlich neu verlieben *kopfschüttel -
So Leute helft mir bei meinem Brainstorming - aja und dann gibt es IHN/SIE - den Lebenspartner/die Lebenspartnerin. Wo es nicht wichtig ist über mögliche außereheliche Varianten zu feilschen, wo man sich vertraut und gemeinsam an einer Zukunft bastelt.
Dem einen passierts früher, dem einen später, dem andern nie - und ob es hält, das kann uns keiner garantieren.
Ich werde eigentlich nie nach der Rolle gefragt, die ich inne habe in unserer Beziehung, ich würde freundlich mit "Teilnehmer" antworten, das trifft es am ehesten.
Soweit mein "Senf" dazu -
Gehabt Euch Wohl
Eure Greta (wer mich noch kennen sollte/will*fg)
03.08.2006, 01:23 - ninni
zum dem gennaten problem frustrierte singles kann ich christa leider nur recht geben. wenn ich mir die ganzen hetero beziehungen in meinem freundeskreis anschaue oder in meiner familie da seh ich leider nur eine beziehung die nicht frustriert ist. und glaubt mir von den beziehungen kenn ich viele.
16.06.2006, 19:14 - andi
Es gibt sehr wohl auch Beziehung in welchen der eine die Mann und der andere der Frau ist. Alles gibt es. Der weiteren macht ein kleinerer Sample die Wahl leichter, also könnte man den Fakt das es weniger Homos als Heteros gibt auch als Vorteil auslegen.
Liebe Fudel, wo sind die liebevollen wo sind die liebevollen schwulen Beziehungen - die mehr sind als einen zweier WG mit wechselnden Sexualpartnern? Diese Frag stelle ich mir seit nun 15 Jahren.
14.06.2006, 00:38 - die Fudel
Ich stimme Christa zu, dass der Anteil an frustrierten Singles bei den Gleichgeschlechtlichen höher sein muss, als bei den Heteros. Allerdings ist bei denen der Anteil an frustrierten, in Beziehungen gefangenen Menschen exorbitant hoch! Das kennen wir nicht. Wie sagt schon Wilhelm Busch? "Ist mir etwas nicht mehr lieb - weg damit ist mein Prinzip!"
07.06.2006, 01:50 - Michael
tja, der anteil der frustrierten singles ...
ich würde dir hier mal vorsichtig recht geben. wobei mir das nicht nur ein arithmetisches problem zu sein scheint: ich kenne jetzt doch einige homo-individuen, deren leben eine einzige gehezte partnerschaftssuche ist weil sie sich erfolgreich einreden, allein - und sei's auch nur vorübergehend - nicht glücklich sein zu können.
wobei ich natürlich zugeben muss: ich kann nicht beurteilen, ob es sich dabei wirklich um ein homo-spezifisches problem handelt - dafür ist der stichprobenumfang der mir näher bekannten heterosexuellen forschungsobjekte einfach nicht groß genug ...