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Über Recht und Unrecht, blau-orange Rülpser und schneeweiße Brautkleider

Marry Christa

Anfangs wollte ich an dieser Stelle einen offenen Brief an einen gewissen Herrn Stadler schreiben. Doch nach genauerem Nachdenken war das zuviel der Ehre für jemanden, der mich vor ein paar Wochen als „pervers“ bezeichnet hatte. Ich habe Besseres zu tun, als diesem Menschen meine kostbare Lebenszeit zu widmen. Was also tun? Mit seiner unqualifizierten Äußerung hat dieser Jemand, der seine Schnitzelsemmeln auch mit dem Steuergeld meiner Partnerin und mir bezahlt (Mahlzeit an dieser Stelle) zu einer hochemotional geführten Diskussion beigetragen. Homo-Ehe reloaded!! Alle reden drüber, aber keiner kennt sich aus. Und damit sich das ändert, möchte ich der geneigten LeserInnenschaft ein paar Hintergrundinfos liefern.

Vorneweg ein bisschen Geschichte: Die Homos gab’s schon immer, und zwar in allen Kulturen. Jede Kultur hat ihren eigenen Umgang mit diesem Thema, es reicht von absolut akzeptiert bis hin zu absolut tödlich. Auf dem Gebiet des heutigen Österreich kann man das schön zeigen.
Eine lange, lange Zeit stand auf Homosexualität die Todesstrafe. Noch Maria Theresia ließ Schwule hinrichten, erst später ersetzte man diese Strafe durch schweren Kerker (unangenehme Haftbedingungen, schwere körperliche Arbeit, Wasser und Brot …). Im Laufe der Zeit kam der schwere Kerker generell aus der Mode und wurde durch normale Haftstrafen ersetzt. Der große Rückschritt kam im Zuge des 2. Weltkrieges. Strafen bzw. Bestrafungsformen, die längst nicht mehr angewendet wurden, flammten wieder auf. Lesbische Frauen wurden als „Asoziale“ bezeichnet und mussten im KZ den schwarzen Winkel tragen, Schwule den rosa Winkel, der noch dazu größer war als die andersfarbigen, damit sie leichter erkennbar waren. Unzählige Homosexuelle wurden ermordet und jene, die überlebten, trugen körperliche und psychische Schäden davon.
Nach 1945 mussten noch 25 Jahre vergehen, bis das Totalverbot der Homosexualität fiel. Trotzdem war noch nix mit freier Liebe, denn es war beispielsweise bis 1996 noch immer verboten, Homo-Organisationen zu gründen. Erst 2002 fiel unter großem internationalen Druck § 209 StGB, der das Schutzalter für schwule Beziehungen bei 18 Jahren ansetzte, während es für alle anderen Beziehungen bei 14 liegt. Soll heißen: Führt ein 19jähriger mit einer 17jährigen eine Beziehung, ist es straflos. Führt ein 19jähriger mit einem 17jährigen eine Beziehung, ist es strafbar.
Und jetzt, 2005, ist zumindest das Strafrecht frei von irgendwelchen diskriminierenden Bestimmungen. Wo es allerdings noch Nachholbedarf gibt, ist im Bereich des Privatrechts. Genau diese Benachteiligungen sollen durch das behoben werden, was sich so plakativ „Homo-Ehe“ schimpft. Konservative Kreise sehen darin eine Bedrohung der Familie und fürchten sich wohl vor einer Horde Frauen in Anzügen und Männern in weißen Kleidern, die die Kirchen stürmen und laut „Ja, ich will!“ rufen. Aber genau darum geht es nicht, nur klingt „rechtliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften“ einfach nicht cool genug für eine fetzige Zeitungsschlagzeile. Was gleichgeschlechtliche Paare möchten, sind Dinge, die einem Ehepaar banal erscheinen mögen: Auf die Tochter der Partnerin aufpassen und zum Elternsprechtag gehen, weil die Mutter berufstechnisch grad keine Zeit hat. In der gemeinsamen Mietwohnung ohne Probleme wohnen bleiben können, wenn der Mann stirbt und das Begräbnis ausrichten. Die Veröffentlichung von Fotos der verstorbenen Frau untersagen. Künstliche Befruchtung oder Adoption von Kindern in Erwägung ziehen, weil man gerne gemeinsam einen Menschen großziehen würde. Verständigt werden, wenn der Mann einen Unfall hat und ihn auf der Intensivstation besuchen dürfen. Steuerlich besser gestellt werden. Wenn all diese Dinge mal Realität sind, können wir gern über die Sache mit den Kleidern und den Anzügen diskutieren. Ob der Papst selbst dem ersten Homo-Paar den Segen gibt? Aber das ist eine andere Geschichte …

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