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Von kleinen Nervensägen, schlauen Tipps und großen Dörfern

Kindereien

Vor Kurzem saß ich mit meiner Liebsten beim Caffè-Latte-Dealer unseres Vertrauens. Vor uns besagtes Getränk, daneben die Errungenschaften unseres letzten Buchladen-Beutezuges und umhüllt von bestem Kaffeeduft wurde der verregnete Sonntagnachmittag gebührend zelebriert.
Umso verwunderter war ich, als ich sah, dass sich der Gesichtsausdruck meiner Frau der Wetterlage anpasste und sich verfinsterte. „Mensch, kann man's denn nicht leiser drehen?“, murmelte sie. Wieso denn? Die Musik war doch okay! Ich folgte ihrem Blick und erkannte die Quelle des Unmutes, nein, ich hörte sie: Die Dreijährige am Tisch nebenan ließ ihrer Wut über die Abwesenheit von Kuchen freien Lauf. Die Argumente der Eltern, ein Stück sei genug, wurden mit noch lauterem Protest beantwortet. Ich überlegte, wie lange die Mitglieder der Feuerwehr brauchen würden, um hier zu sein – die rosa bezopfte Sirene war mühelos bis Gösting hörbar. Schließlich fügten sich die beiden Erwachsenen und orderten einen zweiten Muffin.
Unsere Tochter wird kein verzogenes Gfrast, schoss es mir durch den Kopf. Nur: Als HomosexuelleR in Österreich Mutter bzw. Vater zu werden, ist nicht so einfach. Schwanger werden kann nicht einfach so „passieren“ wenn man das Bett nur mit Personen des gleichen Geschlechts teilt. Es bedarf also anderer Wege, um sich den Wunsch der eigenen kleinen Familie zu erfüllen.
(Fremdkind-)Adoption? Künstliche Befruchtung? „Nicht mit uns“, sagt die österreichische Rechtslage. Wie so oft hapert es am Zauberwort „Ehe“, aber: Eh schon wissen. Nicht mit uns.

Lesben hätten es da ja eh viel leichter, las ich einmal in einem Posting zu einem Online-Artikel, der sich mit schwullesbischen Paaren mit Kinderwunsch beschäftigte. Diese müssten bloß einen One-Night-Stand mit einem Mann haben und schon sei alles paletti. Davon abgesehen, dass wohl die Mehrheit der Lesben dieser „natürlichen Methode“ nichts abgewinnen kann: HALLO, GEHT'S NOCH!? In Zeiten von HIV mit einem Unbekannten ungeschützten Sex zu haben, kann nur als verrückt und grob fahrlässig gegenüber der eigenen Gesundheit bezeichnet werden. Selbst wenn man nicht den Worst Case ins Auge fasst – seine sexuelle Vergangenheit hat der Kerl kaum auf die Stirn tätowiert.

Neben den Schwierigkeiten, die es auf der faktischen und der rechtlichen Seite gibt, wären da noch gewisse Vorbehalte gegenüber der Erziehungstüchtigkeit. Ein Kind brauche doch Vater und Mutter; wie sollen das zwei Gleichgeschlechtliche denn anstellen? „It takes a village to raise a child“, lautet ein afrikanisches Sprichwort. Eine Momentaufnahme der Personen um mich und meine Frau ergibt ein ziemlich großes Dorf: Da wären zwei Elternpaare, eine Armee an Geschwistern und Cousins, viele Onkel und Tanten sowie Wagenladungen an FreundInnen und Bekannten. Wenn das Kind in spe da keine (männlichen) Vorbilder – denn das ist ja der Kern der VaterMutterKind-Diskussion – findet, weiß ich auch nicht.

Glücklicherweise habe ich noch Zeit, das Dorf entsprechend zu gestalten. Ich erfreue mich unverschämter Jugend und hoffe, dass die Gesetzgebung schneller tickt als meine biologische Uhr – auf dass wir irgendwann, in ferner Zukunft, einmal eine völlig legale Mutter-Mutter-Kind-Familie sein werden …

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