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Von Quotenschwulen, spätabendlichen TV-Freuden und warum runde Silberscheiben zu den tollsten Erfindungen der Menschheit gehören

Fernsehen zum Gernsehen

Ich bin mir sicher, ihr kennt das. An einem Abend um die Weihnachtszeit, vollgefressen, träge und mit mindestens 2000 Kalorien zuviel intus, lag ich auf dem Sofa und war nur mehr zu einer einzigen Bewegung fähig: Einem gezielten Druck auf die Fernbedienung.

Ich zappte mich also durch einen Hollywoodschinken, eine Quizshow, CSI (ob NY, Miami, Las Vegas oder Hintertupfing, weiß ich nicht mehr) und fragte mich, warum „The L Word“ eigentlich nie zur Primetime gesendet wird. Nun, warum das im ORF der Fall ist, dürfte einleuchten. Wer bei einer Datingshow ausschließlich die Folge mit schwulen Kandidaten nicht sendet, wird wohl kaum die lesbische Version von „Sex and the City“ kaufe …

Zu meiner großen Freude werden die homosexuellen Charaktere im Fernsehen immer zahlreicher. Damit meine ich nicht die obligatorische Tunte in diversen Romantik-Schmonzetten, die mit Vorliebe rosa Hemden trägt, Dekorateur in einem Modehaus und nebenberuflich beste Freundin der Hauptdarstellerin ist. Nein, auch nicht Walter in der niveaumäßig fraglichen deutschen Serie „Hinter Gittern – Der Frauenknast“, die übrigens sämtliche Klischees bedient, die über Lesben so herumschwirren (Mannsweib - siehe Spitzname, tiefe Stimme und ein Auftreten, das Geschichten über hässliche und ungepflegte Lesben aus der Märchenabteilung zurückholt). Ich denke da beispielsweise eher an „Buffy“, wo man über den Inhalt der Serie geteilter Meinung sein kann (ich hab's geliebt – vielleicht lag das auch an Eliza Dushku). Jedenfalls führen die Protagonistinnen Willow und Tara eine Beziehung, die spannenderweise sehr viel Platz in der Serie bekommt und durchwegs positiv/gleichwertig dargestellt wird. Ihre Liebe findet ein tragisches, aber bei der Darstellung von lesbischen Charakteren unheimlich populäres Ende: Tara muss sterben.
Und kann sich vielleicht noch jemand an den schwulen Jack aus „Dawson's Creek“ erinnern? Ja? Nun, wir haben alle unsere Leichen im Keller.

Gewisse Filme, die in der Community bekannt und beliebt sind, schaffen es selten bis ins normale Fernsehprogramm. Wer „Titanic“ dramatisch findet, hat „Lost and Delirious“ noch nicht gesehen, „But I'm a Cheerleader“ ist eine nette Abwechslung zu diesen Amerikanischer-Apfelkuchen-Filmen und „D.E.B.S“ (der Kurzfilm) ist um einiges lustiger als „Charlie's Angels“.

Filme mit und um Homosexualität gibt es genug, nur senden muss man sie. Vielleicht haben die Programmverantwortlichen Angst, wie die Thematik bei den SeherInnen ankommt. Keine Sorge, die packen das: Pilcher-Verfilmungen (natürlich nuuur wegen der Landschaft), 80er-Jahre-Sitcoms, bestialische Morde in CSI Hintertupfing und modischen Entgleisungen bei Starmania. Dermaßen an das Grauen gewöhnt, sollten einander küssende Männer niemanden mehr aus den Socken heben. (Ich schreibe hier absichtlich von den Männern, denn wenn Frauen sich küssen, erregt das meist nicht Unmut, sondern anderes. Der Vollständigkeit halber sei auch gesagt, dass ich mir zwar Filme mit lesbischen Charakteren zu besserer Sendezeit als 22 Uhr wünsche, das Nachtprogramm einiger Sender allerdings nicht dazuzählt.)
„Queer as Folk“ und „The L Word“ müssen nicht im Spätabendprogramm versteckt werden. Hallo, traut den Leuten mehr zu! Mensch muss nicht schwul oder lesbisch sein, um sich diese Serien anzusehen (es wirkt auch nicht ansteckend). Schließlich beschränkt sich das Publikum von irgendeiner x-beliebigen Soap auch nicht auf Heteros, nur weil darin keine Homosexuellen vorkommen …

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Kommentare

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    01.02.2007, 18:55 - Christa

    Danke, ihr Süßen!
    @ Sophie: Ich werd mich bemühen :-)


    29.01.2007, 20:16 - sophie

    du sprichst einem aus der seele.schreib doch bitte öfter!


    15.01.2007, 12:07 - Walter

    Ich schließe mich Alexanders Meinung an. Der Artikel ist sehr sachlich - eben so, wie die öffentliche Diskussion um gleichgeschlechtliche Themen sein sollte. Kreischende TuntInnen sind ebenso unproduktiv wie homophob - hysterische PolitikerInnen.


    13.01.2007, 12:07 - alexander desmond

    find ich nicht!ganz im gegenteil......weiter so christa!!:-)


    13.01.2007, 00:14 - schnarch

    gleich oede wie das besprochene fernsehprogramm *gaehnz*