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Der ist meiner!

Oder: Auch als schwuler Mann ist man nicht davor gefeit, ein Objekt der Begierde der Damenwelt zu sein – nur anders.

(Graz, 11.5.2009). Langsam wird es Sommer, Gastgärten und Eisverkäufer erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit und eure Kolumnistin hofft, gewisse modische Entgleisungen, die in der letzten Zeit salonfähig wurden, zumindest in der warmen Jahreszeit nicht mehr sehen zu müssen: Hosen, die in Stiefel gesteckt werden, beispielsweise. Oder Leggins, meistens von Frauen weit jenseits der Größe 38 getragen. Was Karottenhosen angeht, scheint es bei einem frommen Wunsch zu bleiben: Mittlerweile gibt es diese auch in den aktuellen Frühlingsfarben. (Was soll das? Kollektive End-80er-Jahre-Trauma-Aufarbeitung?)

Nun, ich schweife ab. Noch länger als besagte Modesünden beobachte ich das Phänomen des SBF, des schwulen besten Freundes. Seit einigen Jahren ist er das Must-Have der trendigen Hetera und viel begehrter als eine George, Gina & Lucy-Tasche, denn im Gegensatz zu dieser ist er nur in begrenzter Stückzahl am Markt erhältlich und lässt sich auch nicht gegen einen Aufpreis aus den USA bestellen.
Angefangen hat alles mit Sex and the City. Neben hippen Freundinnen und Schuhen mit hohem Neid-Faktor hatte Carrie Bradshaw Stanford an ihrer Seite, einen immer schrill gekleideten hinreißenden schwulen Mann, dessen sexuelle Orientierung im liberalen New York für niemanden ein Problem darstellte. Mit ihrem SBF redete Carrie über Männer im Allgemeinen und ihre Verflossenen im Besonderen, ging auf angesagte Partys und, natürlich, shoppen. Und plötzlich wollten sämtliche junge Frauen ein Paar Manolos und ein Stanford-Double.
Was also macht die Faszination eines schwulen Freundes aus? Ein Erklärungsversuch.

Zum einen: Er ist ein Mann. Sollte frau mal das Verlangen nach einer starken Brust zum Anlehnen spüren, so geht das, ohne dass sie danach lang und breit erklären muss, warum das Kuscheln nicht als Aufforderung zu „mehr“ zu verstehen ist. Der SBF nimmt dich in den Arm, weint vielleicht ein bisschen mit und gemeinsam lassen sich auch die Kalorien des Trost-Schokoeises besser kleinreden.
Beim Fortgehen erschließt sich ein weiterer positiver Nebenaspekt: Möchte sie einen entspannten Abend/Nachmittag/Badeurlaub verbringen, signalisiert die männliche Begleitung, dass sich die restlichen y-Chromosom-Träger ein anderes Balzobjekt suchen müssen. Und sollte doch ein Sahneschnittchen dabei sein, so steht es der Dame frei, selbst die Initiative zu ergreifen.

Zum anderen: Er ist die ideale beste Freundin. Denn selbst wenn sich der Männergeschmack deckt, ist die Chance, dass er ihr den Freund in spe ausspannt, gering. Die meisten Hetero-Männer, habe ich mir sagen lassen, schrecken beim Gedanken an eine Affäre mit einem anderen Mann doch eher zurück. Das dürfte auch ein Grund dafür sein, warum sich im Gegensatz zum schwulen besten Freund der Heterofrau die lesbische beste Freundin für den Heteromann nicht wirklich etablieren konnte. Gemeinsam ein Bier heben? Geht klar. Fußballspielen und danach ein Ausflug zum Baumarkt? Jederzeit. Aber wenn der Kumpel mit Brüsten das Mädchen kriegt, ist der Spaß vorbei.

Wie auch immer: Es ist ein bemerkenswerter Weg, den die Einstellung der Bevölkerung zu Homosexuellen in den letzten 100 Jahren zurückgelegt hat. Und sobald sie nicht mehr als Accessoire, sondern als Freunde aufgrund ihrer Person und Persönlichkeit angesehen werden, sind Schwule dort angekommen, wo sie hingehören: Im Heute, mitten in der Gesellschaft.

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Kommentare

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    31.08.2009, 16:08 - Resi

    Endlich! :-) Wieder mal vorbeigeschaut und das neueste Prachtstück entdeckt. Und wer subtile Ironie/Kritik an Öberflächlichkeiten nicht versteht, der kann wahrscheinlich auch mit den UTR-Kolumnen nichts anfangen. In diesem Sinne: Weiter so!! :-)


    25.05.2009, 18:40 - Dora

    Liebe Christa!

    Es ist zwar lieb von dir, dass du die Schwulen im Umweg als Anhängsel von Heterofrauen in die Gesellschaft schreiten siehst, aber wir waren schon immer im Heute mitten in der Gesellschaft. Der SBF ist vielleicht eine lustige Modeerscheinung wie der mittlerweile verstoßene Rattenköter von Paris Hilton, hat aber auf den gesellschaftlichen Status der Schwulen im allgemeinen keinen Einfluss. Unseren Platz in der Gesellschaft definieren wir schon selber. Den Umweg als schmucker Grabstein für frustrierte Heteras brauchen wir nicht.


    25.05.2009, 13:09 - Tina

    ganz tolle und aus dem Leben ge­grif­fe­ne Sto­ries...span­nend zum lesen und immer wie­der ein Ge­nuss!

    nur wei­ter so!

    lg, Tina


    17.05.2009, 23:06 - tini

    du bist die beste, schreib bitte wieder öfter



Foto: Till Krech