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Adel verpflichtet!

… oder: For today I am a boy …

Hallo ihr Lieben! Der obige Satz ist der Name eines Liedes von Antony and The Johnsons und übrigens zum Heulen schön. Antony denkt darin in schönstem Falsett über die Zukunft und die eigene (Gender-)Identität nach: „One day I grow up/ I'll be a beautiful woman / One day I'll grow up, I'll be a beautiful girl // (…) But for today I am a child, for today I am a boy (…)" Ich lege euch das Album „I Am A Bird Now“ wärmstens ans Herz; hat mensch sich einmal an den ungewohnten Klang einer Falsettstimme gewöhnt, gibt es kaum schönere Musik für den Herbst. Nun, ich schweife ab. Eigentlich will ich euch erzählen, dass ich nach dem Hören dieses Liedes ordentlich ins Grübeln gekommen bin. Wie wäre es, den Alltag aus dem Blickwinkel eines Mannes zu erleben? Gibt es die Möglichkeit, Identitäten – oder zumindest Äußerlichkeiten – zu wechseln?
Dankbarerweise durfte ich vor einigen Wochen Zeugin einer gar abenteuerlichen Verwandlung sein. Wäre Kafka dabei gewesen, sein gleichnamiges Werk hätte sicher einen anderen Inhalt gehabt: Meine wunderbare Freundin und andere Mädels entschlossen sich, mit Identitäten zu spielen und wurden innerhalb von zwei Stunden zu smarten Businessmen, Cowboys und richtig harten Kerlen (inklusive passender Beule in der Hose, aber das vertiefen wir jetzt nicht). Ich staunte nicht schlecht. Würden meine Eltern nicht wissen, dass ich lesbisch bin – ich hätte ihnen ihren Schwiegersohn vorgestellt. Vor mir standen die vielleicht ersten Drag Kings, die Graz je gesehen hatte. Denn mittlerweile waren die Drag Queens der Stadt nicht mehr allein auf weiter Flur und hatten „männliche“ Begleitung bekommen. Die Gründe, sich die Brüste abzubinden und einen Bart zu kleben, sind vielfältig. Die einen bestreiten ihren Alltag „im Drag“ und entscheiden sich für jenes Geschlecht, das ihnen eher behagt. Den anderen macht es einfach Spaß, als so genannte „weekend warriors“ beim Fortgehen die Reaktionen der Leute zu sehen. Interessant ist es allemal: Einer der Kings berichtete, Frauen würden ihm zuerst ins Gesicht und dann – sozusagen als Absicherung – zwischen die Beine sehen. Männer rückten in der Straßenbahn weniger auf die Pelle als in im sonstigen Alltag, wo sie als Frauen erkennbar waren. „Sobald die Leute den Bart sehen, schauen sie gar nicht mehr genauer. Sie sehen den Bart, speichern dich unter ‚Typ‘ ab und fertig.“
Spannend, dachte ich mir, das muss ich auch mal ausprobieren und noch am selben Abend wurde Christa zu Christian: Eine Haarsträhne musste fallen; die wurde kleingeschnipselt und die Härchen mithilfe eines speziellen Klebers als Bart im Gesicht reinkarniert. Der Rest der blonden Mähne verschwand unter einer schwarzen Mütze. Das Finish bestand in einem Hemd und dem Blick in den Spiegel. Ich sah einem fremden Jemand ins Gesicht und wusste gleichzeitig, dass ein Abend sicher zu wenig war, um diese neue Rolle auszutesten …

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