Was ich von der Zukunft des Tuntenballs erwarte
Der Lack ist ab
Der Tuntenball ist nun schon seit einiger Zeit vorbei – die Emotionen scheinen sich auch gelegt zu haben und mittlerweile weiß ich auch, was ich vom Ball und vor allem seiner Zukunft erwartete – oder besser gesagt befürchtete. Wenn ich an schon länger zurückliegende Ballvergnügen denke und jene mit dem diesjährigen Event vergleiche, so drängt sich mir folgender Vergleich auf:
Ich habe einen Freund, der hat sich vor einigen Jahren ein Auto gekauft. Da diese Anschaffung sein Budget überschritt, nahm er sich damals einen Kredit auf. Er hatte viel Spaß mit seinem neuen Wagen. Er nutzte ihn sowohl beruflich, als auch privat. Und jeden Monat zahlte er brav seine Raten. Da der Wagen relativ teuer gewesen war, lief auch der Kredit entsprechend lang. Doch dann kam der Augenblick, als die letzte Rate fällig und bezahlt war: der Wagen gehörte nun ihm. Eigentlich war das ein Moment, den er schon lange herbei gesehnt hatte, doch irgendwie wollte die Sache nicht passen. Der Wagen war nun zwar sein, aber genau betrachtet war er schon ziemlich überwuzelt. Wahrscheinlich war auch das der Grund, warum er ihn in einer nächtlichen Alkoholfahrt gegen einen Baum gesetzt hat.
Mein Freund hat ziemlich viel Ähnlichkeit mit den Organisatoren des Tuntenballs. Die haben sich jahrelang abgemüht, um ein ehemals kleines, quäkendes Baby zu einem schillernden Star zu machen. Das ist Ihnen auch gelungen. Allerdings merkte man dieses Jahr, dass keiner der Beteiligten mehr mit Herz und Seele dabei war. Die Bigband erschien in seltsamen Gammelkostümen, die Moderatorinnen waren früher auch schon witziger gewesen und die Wahl der Miss Tuntenball war ein Chaos wie eh und je – nur die Teilnehmerinnen haben niveaumäßig diesmal den Tiefpunkt erreicht. Das ganze Konzept hat sich mit fortlaufender Zeit abgenutzt, dass es mich nun an ein ziemlich überbrauchtes Auto aus dritter Hand erinnert. Da stellt sich jetzt nur die Frage, wie die ganze Sache weitergehen soll. Gerüchteweise habe ich vernommen, dass Herbert Wippel tatsächlich die Organisation des Balles niederlegen wird. Ebenso gerüchtweise kam mir zu Ohren, dass diese nun von der Frauenfraktion der PantherInnen übernommen werden soll. Was ist davon bloß zu halten?
- Da neue Besen gut kehren, wird es wohl einige Änderungen geben:
- Da wäre einmal der unselige Name der Veranstaltung: Eine Tunte ist ein Mann, der sich als Frau verkleidet – nicht etwa, weil ihm dies seine innere sexuelle Identität befiehlt – nein, er tut es ganz einfach deswegen, weil er es witzig findet. Dieser Umstand diskriminiert natürlich Frauen jeglicher Art sowie auch transsexuelle Männer und natürlich auch Männer, die kein Vergnügen daran finden, sich Perücken aufzusetzen und in Stöckelschuhen herumzulaufen. Das ist politisch höchst unkorrekt und wird sicher zu einer Namensänderung führen. Ich bin schon gespannt auf die neue Wortschöpfung, welche sämtliche Intentionen des Balles politisch korrekt wiedergibt und auch auf die Zielgruppen adäquat eingehen wird. Im Inneren dieses Begriffes werden sich sicher einige aus dem Zusammenhang gerissene Großbuchstaben befinden.
- Polonaise und Unterhaltungsprogramm werden – wie schon in den letzten Jahren – vom seltsamen Frauengruppen bestritten werden, die noch dazu praktisch gratis auftreten müssen.
- Wirkliche Stars werden dem Tuntenball wie eh und je fernbleiben; sollte sich doch einer nach Graz verirren, wird man ihn im Handumdrehen vergrault haben. Das Gleiche ist von Sponsoren zu befürchten.
- Am Rest der Organisation wird sich wohl nicht viel ändern, was grundsätzlich eher zu bedauern ist, aber
- wer nicht spurt, kriegt eine gescheuert.
Diese Überlegungen sind natürlich alle rein hypothetisch und nehmen das zukünftige Schicksal des Tuntenballs in keiner Weise voraus. Aber gespannt darf man trotzdem sein. Eigentlich wollte ich nächstes Jahr gar nicht hingehen, bin aber von einer guten Freundin dazu überredet worden. Also werde ich auch nächstes Jahr wieder einmal einen bösen Artikel schreiben …
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