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Wahlkampf in Graz:

Zuordnungsprobleme

Die GrazerInnen haben bald wieder mal einen Urnengang vor sich. Das Politikergesindel im Rathaus will neu gewählt werden. So leicht wie dieses Jahr wurde es den Stimmberechtigten noch nie gemacht, zum Nichtwähler zu werden – das ist jedenfalls das vorweggenommene Ergebnis einer (bei mir schon traditionellen) Analyse der Wahlplakate.

Um die Orientierungslosigkeit der wahlwerbenden Parteien zu veranschaulichen, mögen die geneigten LeserInnen folgende Plakatslogans den jeweiligen politischen Couleurs zuordnen:

Gut für Graz

Helfen statt reden

Ich will mehr für Graz

Wir säubern Graz

Armut macht keinen Spaß

Kurswechsel – XXX schafft das

Wir machen Graz sicherer

Zu Hause mit anpacken

Für einander Zeit nehmen

Nun? Schafft es irgendwer, in einem dieser Statements das Parteiprogramm einer wahlwerbenden Fraktion zu erahnen? Gut – einen Ausreißer kann das geschulte Auge erkennen: Da Graz eine sehr gepflegte Stadt ist, kann die angekündigte „Säuberungsaktion“ nur ethnische Hintergründe haben, die ihre Wurzel wohl in rassenhygienischen Überlegungen findet – auch wenn der in Wien agierende Führer der betreffenden Partei hartnäckig leugnet, ein Neonazi zu sein.

Der Rest der Slogans ist vollkommen substanzlos. Da kann uns Stimmvieh nur das Grauen packen. Zusätzlich zu der Tatenlosigkeit unserer politischen Mandatare zwischen den Wahlen, die nur noch von der Ebbe in der Stadtkasse übertroffen wird, haben sie nun auch noch verlernt, Wahlversprechen zu machen. Das ist ein ideologischer Ausverkauf auf höchster Ebene, der wahrscheinlich erst bei der nächsten Nationalratswahl getoppt werden wird.

Was darf ich denn von einem Bürgermeister erwarten, der sein politisches Programm mit einem Plakat verkaufen will, auf dem er von Kindern umringt einen Wäschetrockner ausräumt? Aber andererseits: Wenn Herr Nagl – an politischer Farb- und Orientierungslosigkeit leidend – sein Betätigungsfeld in einen mit Kindern und Elektrogeräten wohlausgestatteten großbürgerlichen Haushalt verlagert, hat seine Frau wenigstens die Hände frei, um im Stadtpark den Drogendealern auf den Leib zu rücken ...

Aber mal abgesehen von politischen Realkarikaturen: Dieser Wahlkampf schockiert mich enorm. Wenn uns von den Plakaten die Politikerfratzen angrinsen, ohne zu sagen, was sie denn zu tun gedenken, dann kann man sich am Daumen der linken Hand abzählen, welche Taten folgen werde …

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