Zum 60. Jahrestag des Atombombenabwurfs über Hiroshima und Nagasaki:
Wäre die Bombe niemals gebaut worden …
In den frühen Morgenstunden des 16. Juli 1945 wurde die Welt mit einem Glühen von mehreren tausend Sonnen über der Hochebene von Alamogordo im Westen der USA in das Atomzeitalter katapultiert. Das Projekt „Manhattan“ hatte mit der erfolgreichen Zündung der ersten Plutoniumbombe seinen krönenden Abschluss gefunden. Von der Gewalt der Explosion waren selbst die Wissenschafter überrascht und gleichzeitig zutiefst erschüttert. Das Experiment machte ihnen bewusst, dass ihre Arbeit sie weg von Reißbrettern und Laborversuchen in eine grausige Realität geführt hatte.
Eine Petition, die Bombe nicht einzusetzen, blieb erfolglos. Obwohl Japan Ende Juli 1945 von allen Rohstoffen abgeschnitten, seine Marine komplett vernichtet war und die Industrie praktisch still stand, startete im Morgengrauen des 6.8.1945 vom Luftwaffenstützpunkt Tinian im Marianenarchipel eine B-29 Superfortress mit der ersten Uranbombe an Bord.
Diese war noch nicht getestet worden, weil sich die Wissenschafter ihrer Funktionstüchtigkeit gewiss waren.
Gründe, warum man die Bombe einsetzte, obwohl der Feind schon geschlagen war, gibt es viele:
Zuerst der offizielle: Eine Invasion Japans hätte vielen Amerikanern das Leben gekostet. Wahrscheinlich wäre sie aber nicht notwendig gewesen, weil die Japaner selbst schon über ihre Botschaft in Moskau versucht hatten, mit den Soviets als Vermittler in Waffenstillstandsverhandlungen zu treten.
Die wirklichen Gründe sehen anders aus: Ein Atomversuch auf einem unbewohnten Hochplateau ist zwar schön und gut, aber über die Funktionsweise unter Realbedingungen und vor allem die Wirkung auf den Menschen lässt sich daraus nichts gewinnen. Wie schön, dass die Japaner mit der Kapitulation zuwarteten und die Russen den japanischen Botschafter warten ließen (die wollten sich nämlich die von den Japanern besetzte Mandschurei krallen und warteten auf den besten Zeitpunkt, Japan den Krieg zu erklären). Also runter mit dem Ding! Wie bei der Bombardierung von Dresden suchte man sich mehrere unbeschädigte Städte aus, um unverfälschte Daten über die Zerstörungen zu erhalten und dann entschied die Wetterlage, welche Stadt zu verbrennen hatte.
Auch taktische Überlegungen für die Zeit nach dem schon gewonnenen Krieg spielten eine Rolle. Beim Gipfeltreffen in Potsdam waren wie schon zuvor in Yalta schwere Meinungsverschiedenheiten zwischen Amerika und Russland hervorgekommen. Eine Aufspaltung der Welt in zwei Blöcke war mehr als deutlich abzusehen. Wie wirkungsvoll war es in dieser Lage, den Russen praktisch vor ihrer Haustüre eine pompöse Demonstration des amerikanischen Vernichtungspotenzials vor Augen zu führen!
Der am häufigsten angeführte Grund für den Einsatz der Atombombe ist ein ganz pragmatischer: Das Ding wurde für den Kriegseinsatz gebaut, war schweineteuer und deswegen durfte es nicht in einem Bunker verschimmeln.
Krieg ist halt Krieg.
Aber interessanter als die Frage, warum die Bombe geworfen wurde, ist jene nach dem Verlauf der Weltgeschichte, wenn die Bombe niemals gebaut worden wäre. Die Entwicklung der Atombombe hat weit mehr finanzielle Mittel verschlungen, als das Apollo Mondprogramm. Es ist also fraglich, ob man in Friedenszeiten jemals ein dermaßen aufwändiges militärisches Einzelprojekt finanziert hätte.
Ohne die Grundlagenforschung für die militärische Anwendung wären wohl auch zivile Derivate ausgeblieben und uns wären Kernkraftwerke erspart geblieben.
Auch politisch lässt es sich hervorragend spekulieren: Wäre der Kalte Krieg überhaupt so eskaliert, wenn nicht die atomare Bedrohung die Welt in Angst und Schrecken gehalten hätte?
Aber diese ganzen Überlegungen sind leider nur hypothetisch. Trotz weltweiter Abrüstung lagert in den Bunkern dieser Erde ein was-weiß-ich-wie-großer Overkill. Manche Türen kann man eben nicht mehr schließen, wenn sie erst einmal aufgetreten wurden.
Und zum Abschluss die geilste aller Atomgeschichten: Als die Amis 1955 die erste Wasserstoffbombe konstruierten, konnte man rechnerisch nicht ausschließen, ob nicht der ganze Wasserstoff auf der Erde die Kettenreaktion mitmachen würde und unser Planet dadurch für einen kurzen Moment zur Sonne würde – Kawumm! Was haben sie angesichts dieser Tatsache getan? Ab mit dem Nockerl ins Bikini-Atoll und auf den Knopf gedrückt!
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