Zwischen Sachzwängen, politischem Opportunismus und Faulheit aufgerieben:
Unser maroder Bildungsapparat
Gerade sah ich nach längerer Abstinenz wieder einmal fern. Zufällig stolperte ich in die erste Staffel des „Promi – Quiztaxis“. Es hat mich gut unterhalten. Aber ich kam auch ins Grübeln.
Der Gewinn, den die Promis erspielen, wird für ein Hilfsprojekt in Ruanda verwendet. Dort werden mit dem erspielten Geld Schulen gebaut. Das hat mich – wie so vieles – nachdenklich gemacht:
In einem kurzen Clip sah man, wie Erwachsene und Kinder in Ruanda gemeinsam Zement rührten, um ihr Schulgebäude zu errichten. Da drängten sich mir Gedanken um die aktuelle Debatte über Probleme unseres Schulsystems auf. In Österreich wie auch in Deutschland bejammern wir unser Schulsystem angesichts der Tatsache, dass die Ausbildungsqualität im deutschsprachigen Raum immer weiter hinter jene unserer Partnerländer der EU zurückfällt.
Irgendwie konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir da weit mehr falsch machen, als allen Beteiligten bewusst ist. Was tun denn die Eltern, außer vom Staat mehr Engagement zu fordern? Was tun denn die Lehrer, außer auf ebendies zu drängen? Und was tun die Politiker?
Wann hat denn jemand das letzte Mal wirklich die Ärmel hochgekrempelt und etwas getan, außer salbungsvoll zu reden? Auch wenn ich in keiner Weise mit den Menschen in Ruanda tauschen möchte, so bewundere ich ihren Einsatz, der etwas bewegt. Da können wir alle uns eine gehörige Portion abschauen.
Na klar – aus Ruinen ist es leicht, etwas aufzubauen. Das hat die Generation unserer Großeltern nach dem Krieg am eigenen Leib verspürt. Ein bestehendes System am Laufen zu halten und zu optimieren, ist weit schwieriger. Aber trotzdem sollten wir einen Funken dieses Pioniergeistes immer in uns tragen. Sonst werden wir zwischen Sachzwängen, politischem Opportunismus und Faulheit aufgerieben.
Und wer weiß? Wenn wir weiter so mit längst nötigen Reformen im Schulsystem herumbummeln, wird vielleicht bald ein höher entwickelter Staat eine Lotterie zu Gunsten unseres maroden Bildungsapparates veranstalten müssen …
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