Sturzkampfbomber im Einsatz:
Taxifahren
Wer von uns kennt diese Situation nicht? Man hat mehrere Gläser zu viel getrunken und beschließt, sich in einem Taxi heimkutschieren zu lassen. Taxi fahren ist ohnehin ein Luxus, den man sich viel zu selten gönnt. Nachdem man im Fond Platz genommen hat, lässt man den Beifahrersitz nach vorne rücken, um genug Beinfreiheit zu haben. Man schnallt sich an, nennt das Fahrtziel und das Vergnügen beginnt.
Schön wär’s! Meistens beginnt damit eine Fahrt ins Grauen. Trotz angelegtem Sicherheitsgurt und zumindest mittelmäßiger Alkoholisierung, welche üblicherweise Bedenken jeglicher Art mildert, fühlt man sich äußerst unbehaglich. Irgendwie kommt man sich wie ein Crashtest-Dummy vor. Der versetzte Frontaufprall bei 60 km/h scheint unmittelbar bevor zu stehen. Der Fahrer rauscht durch die nächtliche Stadt, als ob es kein morgen gäbe. Geschwindigkeitsüberschreitungen von 30 km/h scheinen praktisch ein Kavaliersdelikt zu sein, blinken ist optional.
Zwangsläufig fragt man sich, ob man Copilot eines Sturzkampfbombers im Kampfeinsatz ist. Mittlerweile habe ich es aufgegeben, die Taxifahrer zur Einhaltung der Straßenverkehrsordnung aufzufordern. Ich ziehe es vor, das Spektakel über mich ergehen zu lassen und mein Missfallen über den Fahrstil dadurch zum Ausdruck zu bringen, dass es eben kein Trinkgeld gibt. Trotzdem bleibt auf beiden Seiten ein bitterer Nachgeschmack: Mit heilen Knochen der Gefahr entronnen frage ich mich, warum Taxifahrer bei ihrer Prüfung Straßennamen auswendig lernen müssen. Wäre es nicht viel sinnvoller, ihnen vorher beizubringen, wie man eine Limousine chauffiert, ohne die Fahrgäste in Angst und Schrecken zu versetzen? Der Taxifahrer fragt sich natürlich, warum ich so ein Geizhals bin und den Fahrpreis auf den Cent genau bezahle, obwohl er mich so schnell ans Ziel gebracht hat.
Vielleicht liegt es daran, dass Taxifahrer - egal ob männlich oder weiblich - vom Mars kommen und Fahrgäste von der Venus stammen …
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