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Leicht durchschaubarer Etikettenschwindel:

„Straight acting“

Ich habe den Freund, der macht Bierflaschen immer mit dem Feuerzeug auf und bildet sich deswegen ein, „straight acting“ zu sein. Nun – es mag zwar sein, dass viele Schwestern, allein gelassen mit einem Feuerzeug und mehreren Kisten Bier wohl verdursten würden, aber nur weil mein Freund diesen armen Geschöpfen in dieser einen Situation Hilfestellung bieten kann, wird aus ihm noch lange kein Hetero.

Wenn man es ganz böse betrachtet, könnte man ihn sogar eine Paradetucke nennen. So schwindlig ist er. Aber er kann eben eine Bierflasche mit einem Feuerzeug aufmachen! Ich weiß sogar, wie er diese Fertigkeit erlernt hat: Er hat es sich von einem Hetero beibringen lassen, um Schwestern damit beeindrucken zu können.

Stellen wir uns einmal eine umgekehrte Situation vor: Ein Hetero lässt sich von einem Schwulen – aus welchen Gründen auch immer – eine szenentypische Handbewegung beibringen. Fortan beherrscht er z. B. den altdeutschen Kolliergriff aus dem ff und bildet sich deswegen ein, „gay acting“ zu sein. Sowohl mein Freund, als auch dieser imaginäre Hetero unterliegen jedoch einem großen Trugschluss: die Worte „straight“ und „gay“ bezeichneten Verhaltensweisen im sexuellen Bereich. Solange ein Mann sein Bett mit einem anderen Mann teilt, wird er nie „straight acting“ sein, egal wie geschickt er seine Schwulerei auch zu verbergen sucht oder wie behände er mit diversen Werkzeugen umgehen kann. Und tuntige Handbewegungen machen auch aus einem Hetero noch lange keinen Schwulen.

Um nun all jene Schwestern, welche sich als „straight acting“ bezeichnen, endgültig vor den Kopf zu stoßen, ein kleiner Tipp: Um als Mann wirklich „straight acting“ zu sein, muss man mit einer Frau ins Bett gehen. Sonst ist man nichts anderes, als ein Homosexueller, welcher sich gern in eine andere Schublade hinüberschwindeln möchte, in diese aber mit dem Schwanz nicht hinein passt.

Und kommt mir bitte nicht mit dem Argument, dass aufgesetztes Heterogetue notwendig ist, um sich vom „Klischeeschwulen“ abzugrenzen. Man kann nämlich nicht ein Klischee mit dem anderen bekämpfen. Dabei bleibt die Wahrheit auf der Strecke. Wo sind wir denn, dass sich Schwule über heterosexuelle Verhaltensweisen definieren müssen? Und außerdem funktioniert das ohnehin nicht. In diesem Zusammenhang verweise ich auf alle ach so männlichen Ledertucken, die in Wirklichkeit das schwulste aller Klischees personifizieren.

Aber eigentlich ist diese ganze „straight acting“ Geschichte nichts anderes als ein leicht durchschaubarer Etikettenschwindel. Wenn man selbst keine Probleme hat, sich ehrlich zu definieren, hat man das nicht nötig und läuft auch keine Gefahr, eine Mogelpackung untergeschoben zu bekommen. Und wenn es doch einmal passiert, ist der Umtausch meist sehr problemlos.

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    25.02.2011, 08:43 - TomAusGraz

    Hmm ich würd mal sagen, Adrian, da verstehst du einfach den Artikel nicht. Denn ob du 'acting' mit benehmen oder spielen übersetzt ist irrelevant. Die Kolumne hängt sich ja an straight vs gay und nicht an acting vs being auf. Ums dir leichter zu machen: ein Hetero wird nicht durch die Handbewegungen, Stimmlage oder sonstwas definiert sondern dadurch, dass er mit Frauen schläft. Ein Schwuler schläft mit Männern. Wenn ich also als Schwuler einen Hetero spielen wollte müsste ich trotzdem mit Frauen schlafen, sonst wär die ganze Show ja nicht sehr überzeugend. Die Frage ist also nicht spielen oder sein sondern ganz einfach: wodurch ist Heterosexualität im Vergleich zur Homosexualität definiert und was genau müsste ich demnach spielen um als Hetero durchzugehen? Und diese Antwort ist, na?, easy as pi. ;-)


    25.02.2011, 01:34 - Adrian

    Hallo,
    Netter Kommentar, aber dir dürfte vielleicht die Doppelbedeutung des englischen Wortes "act" nicht aufgefallen sein, welches eben nicht nur „sich benehmen, sich geben“ sondern eben auch „spielen“ im Sinne von „schauspielen“ heißt. Das Attribut als schwuler Mann ‚straight acting’ zu sein ist also eine augenzwinkernde Bezeichnung für die Grauzone zwischen „sich wie ein Hetero benehmen“ – also einer sein und „einen Hetero vorgeben, vorspielen“, wenn man’s eben nicht ist. Easy as pi ;-)