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„Die dicke Frau in IKEA-Vorhängen“ oder:

Schöner Fernsehen

Karolinchen, meine Siamkatze, saß neulich im Vorzimmer und maunzte mich jämmerlich an. Eine kurze Kontrolle von Katzenklo, Futterteller und Wasserschälchen aus feinstem Lilienporzellan zeigte, dass bei den primären Versorgungskriterien alles in Ordnung war. Ich begann zu grübeln, was denn sonst der Grund für ihre lautstark vorgetragene Gemütsverstimmung sein könnte. Da ich ja eine sehr intelligente Katze habe, forderte ich sie mit den leicht verständlichen Worten: „Ja was ist denn?“ auf, mir den Grund ihres missmutigen Gejaules zu offenbaren …

Und siehe da: Sie wanderte zu meinen schon etwas überbrauchten Wohnzimmersesseln und reckte sich daran empor, ohne – was eigentlich ihr Lieblingssport ist – diese mit den Krallen zu bearbeiten und blickte mich vorwurfsvoll an. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Sie wollte eine neue Einrichtung! Irgendwie konnte ich ihr diesen Wunsch nicht verdenken: Küche und Bad aus den 60ern, Wohnzimmer zwar von Tischlerhand maßgefertigt, aber auch schon mehrere Jahrzehnte alt, im Arbeitszimmer lungern halbverfallene Prachtstücke herum, welche die Ex-Ex-Exfreundin meines Bruders ausgemistet hat (und der führt immer sehr langfristige Beziehungen) und ach – die Schrankwand im Schlafzimmer stammt noch aus dem „Möbelparadies Ertl“. Das war im Roseggerhaus etabliert und ist irgendwann in meiner Kindheit Pleite gegangen. Meine frömmelnde Mutter hatte den Konkurs mit den Worten: „Das Paradies ist nicht von dieser Welt“ kommentiert. Soviel zu meiner Wohnsituation.

Karolinchen hatte sich zwar schnell wieder beruhigt und am französischen Bett, welches bei einer stürmischen Party ein Scharnier verlor, zur Ruhe begeben, aber mich ließ ihr Denkanstoß nicht los. Was macht man denn, wenn man eine neue Einrichtung braucht, sich das aber nicht leisten kann und auch die Arbeit scheut? Wenn man in Deutschland wohnt, ist die Lösung klar: Man kontaktiert RTL und bestellt die dicke, in IKEA-Vorhänge gewickelte Frau. Die kommt dann, lässt ein paar flapsige Sprüche über die grässliche Wohnung los und geht frisch ans Werk. Wenn die Eingangstüre breit genug ist, damit sie ihre Hüften durchzwängen kann und man ihr Genörgel erträgt, darf man sich kurz darauf über eine neue Einrichtung freuen. Gerüchten zufolge sollen Farbenblinde an dem Endergebnis ihrer Renovierungswut durchaus Gefallen finden.

Das wäre doch auch was für mich – und wenn ich auch nicht farbenblind bin, so könnte ich ja zumindest so tun als ob. Beim Telefonsex habe ich ja auch schon mehrmals einen Orgasmus vorgetäuscht … Und wenn ich jetzt (schon wieder) beim Thema Sex angekommen bin: Jetzt weiß ich endlich, was Wohnexpertin Tine Wittler mit Sex zu tun hat: Nämlich gar nichts! Na wie auch immer – zurück zur Wohnung: Wenn man in Österreich eine Ladung Gratismöbel braucht, ist man dank des immer noch bestehenden Fernsehmonopols des ORF aufgeschmissen!

Am Küniglberg macht man sich nur Gedanken darüber, wie man dem politischen Druck aller Parteien bestens entsprechen kann, ohne sich sein nicht existentes Rückgrat zu verbiegen. Die wahren Probleme der Konsumenten werden mit dem uralten Schlagwort vom „staatlichen Bildungsauftrag“ übergangen. Nicht nur renovierungsbedürftige Wohnungen bleiben da auf der Strecke: Betroffen sind auch renitente Kinder, denen in Deutschland eine „Super-Nanny“ die Flausen austreibt und verwirrte Haustiere, denen man dort eine Tier-Nanny zur Seite stellt. Auch PS-Begeisterte suchen im ORF-Programm vergebens nach automobilen Sendungen. Na und Sendungen mit les/bi/schwulem Inhalt gibt es wahrscheinlich deswegen nicht, weil die ganze homoerotische Energie von den Fernsehmachern selbst aufgebraucht wird. Da bleibt fürs Programm nichts über.

Aber was soll’s! Ich werde weiter mit meinen alten Möbeln leben. Vielleicht landen sie irgendwann einmal in einem Museum. Auch der ORF wird einmal Geschichte sein. Dem wird man aber kein Museum widmen – dort würde nämlich mangels Interesse keiner hingehen – auch wenn die GIS die Eintrittsgebühr zwangsweise im Voraus eintreiben würde.

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