Diese Seite drucken

Prophezeiungen mittels Diamantkolliers und Diademen?

Mormonen

TIch habe einen Freund, welcher vor etlichen Jahren versuchte, seine Probleme wegzubeten. Zu diesem Zwecke bediente er sich der Glaubensgemeinschaft „Kirche Jesu Christi“ (oder so ähnlich), besser bekannt unter dem Namen „Mormonen“. Das Projekt hat jedenfalls nicht wie geplant funktioniert; weder die Mormonen, fanden großen Gefallen an ihm, noch umgekehrt. Bevor größeres Ungemach geschah, wandte er sich wieder weltlichen Dingen zu.

Allerdings haben so ziemlich alle Glaubensgemeinschaften eines gemeinsam: Sie sind anhänglich wie Herpes. Also passierte, was passieren musste: Vor ein paar Tagen erhielt er einen Anruf und ließ sich dazu breitschlagen, zwei Missionare in seiner Wohnung zu empfangen. Um dem geballten Worte Jesu Christi besser widerstehen zu können, bat er mich, ihm bei diesem Besuch hilfreich zur Seite zu stehen. Freudig und voller Neugier sagte ich zu. Schließlich weiß ich ja, welch hübsche Kerlchen das sind. In den öffentlichen Verkehrsmitteln erkennt man sie von weitem an ihrem schwarzen Anzug und vor allem daran, dass sie immer zu zweit auftreten. Sie sind meistens Anfang 20, kommen aus den Vereinigten Staaten und bereisen Europa, um neue Mitglieder zu werben. Ihr Äußeres hat mich immer schon mehr angesprochen, als jenes der vertrockneten Bibeltanten der Zeugen Jehovas, welche ich schon öfters von meiner Türe verscheuchen musste.

Bei meinem Freund angekommen traf ich die nötigen Vorbereitungen. Jeder, der mich ein bisschen besser kennt, weiß was das bedeutet: Ich stellte mich in die Küche und fertigte einen Marmorkuchen. Mein Freund war entsetzt. „Du willst die doch nicht bekochen?“ fragte er entgeistert. „Natürlich“ war meine Antwort. „Die armen Jungs werden wie Legehennen in winzigen Verschlägen gehalten und müssen sich jahrelang mit Fertignahrung aus dem Supermarkt versorgen. Die freuen sich sicher, wenn sie etwas Ordentliches zu essen bekommen.“ Ich erntete nur Kopfschütteln, ließ mich aber nicht beirren.

Dann klingelte es an der Tür. Herein traten zwei putzige amerikanische Jungs. Während sie mit großem Appetit meinen Marmorkuchen verschlangen, erzählten sie uns über ihre Religion - ein seltsames Konglomerat aus alten indigenen Geschichten, vergrabenen Geschichtsbüchern und Jesus-Gott-Gesülze. Es war gar nicht so schlimm, wie befürchtet. Verglichen mit dem Zeug, was man mir im Religionsunterricht erzählt hatte, hörte sich die Sache gar nicht so übel an. Es stellte sich heraus, dass die oben bereits erwähnten vergrabenen Geschichtsbücher Tafeln aus purem Gold waren, welche der Religionsgründer anno 1830 in einem Wald gefunden hatte. Das hörte sich doch viel stilvoller an, als die Geschichte mit Moses und den Steintafeln. Leider musste ich erfahren, dass diese güldenen Prunkstücke seit damals dem menschlichen Auge entzogen sind, weil sie sofort nach ihrer Transkription auf profanes Papier von Engeln in den Himmel befördert worden sind. Wahrscheinlich hat man sie dort ins gleiche Eck geworfen wie schon jene Steintafeln, an denen sich Moses einen Bruch gehoben hatte.

Diese Goldtafeln ließen mich nicht mehr los. Vielleicht ist es an der Zeit, eine neue Religion zu gründen, welche ihre Prophezeiungen mittels Diamantkolliers und Diademen von Cartier verkündet. Die Altäre dieser Religion müssten aus Glas sein, worin die heilsbringenden Geschmeide für jedermann sichtbar bewundert werden könnten. Ehrfurchtsvoll könnte man vor ihnen niederknien und Gott für seine unendliche Güte danken.

Was? Diese Religion gibt es schon längst? Sie wird in jeder Filiale von Tiffany’s praktiziert? Na - das stimmt auch wieder. Und auch der Vatikan hat jede Menge Klunker herumliegen. Seltsam … Warum beten dann die Christen irgendwelche vergammelte Knochen als Reliquien an, anstatt ihre Anbetung den wahren Schätzen des Vatikans zu widmen? Keine Ahnung! Religionen sind schon was Komisches – egal ob sie nun auf Schriftrollen, Steintafeln oder Goldplatten basieren.

Mit einem hatte ich aber absolut recht: Die beiden Wanderprediger schienen wirklich seit langer Zeit nichts Ordentliches mehr gegessen zu haben, denn sie gingen erst, als der Kuchen vertilgt war. Vielleicht hätte ich doch etwas Warmes kochen solle …

Text:




Kommentare

Einen Kommentar hinzufügen

This is a captcha-picture. It is used to prevent mass-access by robots. (see: www.captcha.net)
Code im Bild:
Name(*):
E-Mail:
Webseite:
Kommentar(*):