Fudels Selbstreflexionen:
Gift, Gift und nochmals Gift!
Neulich gratulierte mir eine meiner besten Freundinnen zu meinen Artikeln in der „Giftküche“. „Wenn du böse schreibst, bist du einfach fantastisch!“ oder so ähnlich waren ihre Worte. Das hat mich doch ziemlich verletzt. Ich war nämlich der Ansicht, dass ich – zwar in sarkastischen Worten, aber doch – die Wahrheit kundtue. Oder bin ich vielleicht tatsächlich eine böse Giftschlange, die sich am Unglück anderer weidet und Salz in deren Wunden schüttet? Aber wozu sind Wunden denn sonst da? Heilen tun sie eh von selbst …
Trotzdem gelobte ich, mich zu bessern: Von nun an werde ich nur mehr über erbauliche Themen berichten! Etwa in der Art: „Nach einer Lokaltour durch Graz stellte ich fest, dass wir uns über die lebendigste Schwulenszene Europas freuen dürfen...“ oder: „Katholische Kirche im Umbruch! Der Papst heiratet einen Moslem. Oberrabbiner von New York wird die Trauungszeremonie leiten …“ oder: „Opel hat es geschafft, ein Auto zu fertigen, das nicht innerhalb von wenigen Wochen aufgrund sicherheitsrelevanter Mängel zurückgerufen werden musste. Die Fahrgestellnummer dieses Einzelstücks wird im nächsten Artikel dem glücklichen Besitzer bekannt gegeben …“
Oje – ich habe es schon wieder getan! Gift, Gift und nochmals Gift! Das stammt aber nicht von mir, sondern entsteht dadurch, dass die grausame Realität die Welt, die wir uns erträumen, ins Reich von Science-Fiction drängt. Erbauliche Nachrichten wie die obigen sind Fantasie und wirken im Spiegel der Realität giftiger als eine Satire. Es wird mir also nichts anderes übrig bleiben, als mich weiterhin der realen Themen anzunehmen, die mir das tägliche Leben vor die Füße kotzt – und die sind nun mal alles andere als erbaulich. Anstatt darüber Tränen zu vergießen, garniere ich die Realität lieber mit ein paar Tropfen Gift …
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