Es ist mir wurscht, ob es einen Gott gibt …
Fudels Ostergeschichte
Jedes Jahr treffen mich die hohen kirchlichen Feiertage mit voller Wucht. Egal, ob Weihnachten, Ostern oder Pfingsten – es sind seltsame Schauspiele, die auch an den eingefleischten Nichtkatholiken wie mir nicht spurlos vorüber gehen. Man kann sich auch als religiös Außenstehender dem theologischen Überbau der eigentlich schönen Fest- und Feiertage kaum entziehen. Aber es gibt verschiedene Betrachtungsweisen, sich dem Feiertagshype zu unterwerfen. Gefeiert wird wohl von jedem – aber was ist mit dieser Gott-und-Jesus-Geschichte?
Der frömmelnde Kirchgänger sieht die Sache einfach und eilt vor dem Gottesdienst noch schnell zur Beichte. Grundlegende Bedenken an der Sinnhaftigkeit des ganzen Tamtams hegt er nicht. Warum feiert man eigentlich Geburt und Tod Jesu wie wahnsinnig und schenkt seinem Leben so wenig Bedeutung? Von den Grundregeln, nach denen er sein Leben angeblich geführt haben soll, ist heute nicht mehr viel zu spüren. Stichworte: Toleranz, Nächstenliebe, Weltoffenheit usw. Und um die Geschichte von Pfingsten zu glauben, muss man wirklich sehr religiös sein: Der Heilige Geist ist über die Apostel gekommen … Ufff! Wenn man eine Bibel hat, die man nicht hinterfragen darf und von der Amtskirche alles vorgebetet bekommt, hat man es wirklich gut und einfach!
Der Agnostiker geht da schon differenzierter an die Angelegenheit heran: Zwar auch ohne wirkliche Lösung, so hat er für die Frage über Gott und so doch einen praktischen Lösungsansatz: Solange man ihm keinen wissenschaftlichen Beweis über die Existenz Gottes vorlegt, wird er auch nicht an ihn glauben. Das ist was für Faulpelze und Opportunisten. Sie machen sich selbst keine Gedanken über Gott und warten, bis ein anderer einen Beweis erbringt und ihnen unter die Nase hält. Diese Vorgangsweise beinhaltet natürlich auch die Möglichkeit, nach dem Beweis der Existenz Gottes zu braven Gläubigen zu werden: Denn wenn Gott da ist, dann kann man ihn ja auch anbeten, um keinen Nachteil zu erleiden.
Der Atheist ist da geradliniger: Er negiert die Existenz Gottes. Nach dem heutigen Erkenntnisstand der Naturwissenschaften dürfte er ziemlich richtig liegen. Aber was macht er, wenn Gott, Jesus oder der Heilige Geist doch mal auf Besuch zu ihm kommen? Öffnet er dann die Tür und sagt: „Grüß Gott, aber Sie gibt es gar nicht?“
Ich habe da eine eigene Anschauung entwickelt, die noch darauf wartet, eine schöne Bezeichnung zu bekommen: Mir geht die religiöse Geschichte und die Frage um Gott ziemlich am A. vorbei. Es ist mir wurscht, ob es einen Gott gibt, solange er mich in Ruhe lässt.
So – und jetzt wende ich mich wieder meinen Ostervorbereitungen zu: Am heutigen Karfreitag wird nämlich eine Gans gebraten und verspeist, weil ich gerade Lust dazu habe! Mahlzeit!
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