„Batiken für den Weltfrieden“ und „Durch Hysterie zur Weiblichkeit“
Folklore mit Folgen
Ich habe da einen Freund, der mir kürzlich was ins Ohr tuschelte. Auf einer Party hatte er folgenden Satz aufgeschnappt: „Pass auf, was du der Fudel sagst, sonst findest du dich in ihrer nächsten „Giftküche“ wieder!“
Als mir dies zu Ohren kam, war ich doch sehr verwundert. Hat sich da tatsächlich jemand mit den frei erfundenen Charakteren meiner Giftküche identifiziert? Zur Beruhigung all jener, die mich kennen und ab und zu gesellschaftlichen Kontakt mit mir pflegen, sei hier eindringlich auf Folgendes verwiesen:
Alle Personen und Ereignisse dieser Kolumne sind frei erfunden. Ähnlichkeiten oder gar Übereinstimmungen mit tatsächlich (noch) lebenden - oder auch Personen, die das nicht mehr tun - sind rein zufällig, unbeabsichtigt – meistens jedoch ganz und gar ungewollt. Auch beschriebene Ereignisse entstammen der Fantasie des Autors (Man erspare mir, den Genetiv des Wortes „Autor“ zu gendern).
So – nachdem das jetzt geklärt ist, hier meine heutige Geschichte:
Ich wurde neulich von einer Freundin auf ein seltsames Fest verschleppt. So ein Gartenereignis mit Fackeln. Es scheint irgendein keltisches Lichterfest gewesen zu sein. Von Anfang an beschlich mich ein komisches Gefühl, das ich zunächst nicht genauer spezifizieren konnte. Die Leute waren zwar nett, aber schienen von einem anderen Stern gekommen zu sein. Ich beobachtete vor allem die weiblichen Gestalten, welche mit seltsam wehenden Gewändern aus einem undefinierbaren Jute-Seide-Gemisch an mir vorüberschwebten. Den Männern schenkte ich – ganz ungewohnt für mich – weniger Beachtung. Das rührt von dem Umstand her, dass ich an ungewaschenen Füßen in zerlumpten Flip-Flops und Dreadlocks unidentifizierbarer Haarfarbe wenig Interesse habe.
Nun: Kommunikativ, wie ich bin, nahm ich am Lagerfeuer Platz und konnte mich einer Konversation mit der Keltenfrau neben mir nicht erwehren. Irgendwie war ich auch gespannt, was dieser Menschenschlag denn sonst so macht und wo er die restliche Zeit verbringt, wenn er sich nicht auf Festen wie diesem zusammenrottet. Vermutlich hatte sie ein ähnliches Interesse an mir – war ich doch mit einem Blick schon weithin als Außenseiter in dieser Runde erkennbar. Nach den ersten Worten und Erklärungen, wer mich hierher mitgenommen hatte und so weiter wurde ich dann von ihr mit Informationen versorgt, die meinen Wissensdurst bei weitem überstiegen.
Es fällt mir jetzt schwer, diesen geballten Wust an wenig Wissenswertem einigermaßen strukturiert wiederzugeben. Jedenfalls war sie so etwas Ähnliches wie eine Psychologin – das nehme ich jedenfalls an. Sie veranstaltet Seminare, Arbeitsgruppen und Vorträge – und das hauptsächlich für Frauen. So eine Selbstfindungssache. Wenn ich sie richtig verstanden habe, setzt sie praktisch fort, was Alice Schwarzer in den 70ern des vorigen Jahrhunderts theoretisch angedacht hat. Das sind so Sachen wie ein Persönlichkeitsbildungsseminar mit dem Titel „Durch Hysterie zur Weiblichkeit“ oder zum Thema „Kleider, die keiner braucht“ das anwendungsorientierte Programm „Batiken für den Weltfrieden“. Und als ob es nicht schlimm genug wäre, dass sie selbst Bücher schreibt, versucht sie in Seminaren wie „Jeder/In ist ein/e Künstler/In“, auch anderen Leuten das Schreiben beizubringen. Zum Glück funktioniert das eh nicht!
Man kann sich mein ungezügeltes Interesse vorstellen, mit welchem ich ihr an den Lippen hing. Und was noch schlimmer war: Auf dieser komischen Party gab es nichts Ordentliches zu trinken! Es gab kein Entrinnen. Da konnte mich die Darbietung der zugekifften Feuerjongleure, von denen einer kurzzeitig zu brennen begann, auch nicht mehr erheitern. Der Abend war gelaufen.
Als ich dann doch noch eine von einem Partygast mitgebrachte Flasche mittelmäßigen Whiskys fand und diese leerte, kippte der Abend endgültig. Ich erlangte erst wieder einen klaren Kopf, als ich am nächsten Morgen auf einem Schaffell neben einem Wischmob aufwachte, an dessen unterem Ende ein etwas angeschmutzer Mann hing. Ich erhob mich leise und schwor mir, jeden umzubringen, der versuchen würde, meine Erinnerungslücken an diesen Abend aufzufrischen!
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