Lügen, Skandale, Hetze, Brechreiz:
Die Wahlplakate 2006
Eine Woche vor unserer Nationalratswahl ist es Zeit für ein kleines Resümee. Um erahnen zu können, was uns nach dem Urnengang erwartet, habe ich eine stichprobenartige Analyse der Wahlplakate vorgenommen und deren Fehler untersucht sowie logisch konsequent durchgedacht, was auf uns zukommt, wenn die jeweilige Partei Regierungsmacht erhält und die Wahlversprechen auch eingehalten werden:
Da gibt es dieses herrliche Foto von Schüssel, der sich das Gesicht mit reinem, österreichischen Hochquellwasser benetzt. Fehler: Er hat die Seife vergessen, um seinen Mund von den unzähligen Lügen zu reinigen! Zukunftsaussicht: er wird weiterhin lügen.
Oder van der Bellen: Der publiziert Plakatsprüche wie: „Es geht auch ohne Skandale – garantiert!“ Fehler: Er vermittelt nicht einmal ansatzweise, dass er damit die Grünen meint und er derjenige sei, der sich von Skandalen fernzuhalten gedenke … Zukunftsaussicht: eh schon wissen …
Bezeichnend für die rote Linie unter Gusenbauers Führung ist folgender Plakatslogan: „Jugendarbeitslosigkeit halbieren!“ Dieses Ziel mag ja ehrenhaft anmuten, aber auch hier stolpert er über einen kleinen, aber fatalen Fehler: Probleme sind dazu da, dass man sie löst – und nicht halbiert! Zukunftsaussicht: Es wird nicht besser werden, sonder höchstens halb so schlimm, wie vorher.
Die strache’sche Religionshetze werde ich nicht zitieren. Einziger, aber allumfassender Fehler daran: Mit rechtsstaatlichen Mitteln nicht durchsetzbar. Zukunftsaussicht: Um seine Wahlziele zu verwirklichen, wird er die NS- Konzentrationslager wieder in Betrieb nehmen müssen.
Und Westenthaler hat nur einen Fehler: Das ist sein seltsamer Gesichtsausdruck. Bevor man lesen kann, was auf seinen Plakaten steht, hat man unter spontan einsetzendem Brechreiz bereits sein Gesicht zu Boden gewendet. Zukunftsaussicht: Bulimie für jedermann.
Angesichts der Wahlwerbung kann man nur Friedrich Torberg (sinngemäß) zitieren: „In Österreich dient die Demokratie nicht dazu, um sich die gewünscht Regierung zu wählen, sondern um eine ungewollte zu verhindern.“ Aber wie soll das denn funktionieren? Ich hätte da einen sehr konstruktiven Vorschlag:
Man sollte am Stimmzettel nicht jene Partei ankreuzen, von der man das Land in Zukunft regiert sehen will, sondern all jene Parteien, die man keinesfalls mit seiner Vertretung betrauen will. So würde das Wahlergebnis am ehesten dem Wählerwillen entsprechen.
Unter diesen Gesichtspunkten frage ich mich natürlich, wie man denn die Demokratie verbessern könnte – denn eigentlich ist dieses System ja ganz brauchbar. Hier meine Vorschläge:
Um einer Stagnation im politischen Geschehen vorzubeugen, könnte eine wahltechnische Neuerung dienlich sein: Die Regierungspartei(en) müssten sich ihren Wahlerfolg um jene Prozentquote kürzen lassen, mit welcher sie ihre Versprechen der vorigen Wahl nicht gehalten haben.
Die Qualität der politischen Arbeit wäre auch mit einer anderen Maßnahme schlagartig zu erhöhen: Wann wird denn endlich eine einheitliche Berufsausbildung für Spitzenpolitiker (z. B. ab einem Landesrat aufwärts) definiert werden? Selbst, um als Staplerfahrer tätig zu sein, muss man eine Befähigungsprüfung ablegen. Ist Palettenschlichten schwieriger, als Politik zu machen? Warum soll man denn einen Staat lenken dürfen, ohne nur ansatzweise unter Beweis stellen zu müssen, ob man das überhaupt kann? Jetzt werden alle Politiker unisono aufschreien und behaupten, dass man „Politik“ nicht lernen kann. Und ich werde ihnen voll und ganz zustimmen. Sie sind allesamt der lebende Beweis dafür!
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