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Washington | Weißes Haus | 6.10.2009

Menschenrechte bitte warten ...

Einer Zeitungsmeldung entnahm ich, dass Barack Obama den Dalai Lama während seiner aktuellen USA-Reise nicht empfangen wird. Das Weiße Haus ließ verlauten, dass man die liebevoll gehegten Beziehungen mit China nicht gefährden wolle, wo man im Atomstreit mit dem Iran doch auf außenpolitische Helferlein angewiesen sei …

 

Spätestens jetzt ist die Katze also aus dem Sack: Der neue Präsident ist nicht das heiß umjubelte Heilmittel für die außenpolitischen Flurschäden der Bush-Regierung  – zumindest nicht für jene Staaten, welche seiner Hilfe am meisten bedürfen: Nämlich die schwachen. Die USA wollen sich mit China gut stellen und gehen aus Angst, das Reich der Mitte (dieser Begriff ist sicher nicht politisch gemeint) zu brüskieren, in vorauseilendem Gehorsam in die Knie. Amerika wurde auch unter neuer Führung also nicht der Schrittmacher eines weltoffenen, demokratischen Politikverständnisses, wie so viele gehofft hatten, sondern hängt sich aus opportunistischen Motiven in den Windschatten einer Diktatur.

 

Wahrscheinlich steckt da viel mehr dahinter, als das offizielle Statement aus Washington zugeben will. Wen kümmern denn schon die iranischen Isotope am sinkenden Wirtschaftsdampfer in den USA? So wie ich die Lage einschätze, ist man in Washington deswegen auf Chinas Wohlwollen bedacht, weil man auf Finanzhilfe aus der boomenden Volksrepublik angewiesen ist. Die USA sind dabei, sich aus wirtschaftlichen Motiven politisch zu prostituieren und lassen gerade vor einem Freier das Höschen fallen, den andere nicht einmal mit der Feuerzange anfassen würden.

 

Der Dalai Lama – übrigens der einzige Spitzenpolitiker der Welt, den ich gerne persönlich kennen lernen würde – steht also im offiziellen Amerika vor verschlossenen Türen. Für Tibet heißt es also warten – auch die chinesischen Regimekritiker werden weiterhin harte Zeiten zu erleiden haben, solange Peking der morsche Rücken gestützt wird – und sei es nur durch Wegschauen, welches bereits anlässlich der Olympischen Spiele bis zur Perfektion geübt worden ist. Aber warum soll es Tibetern und aufmümpfigen Chinesen besser gehen, als den Armen und Schwachen in den USA selbst? Auch um die schert sich seit Menschengedenken nur die Heilsarmee …

 

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    09.10.2009, 14:31 - tenebrae

    hehe, sieht man ja - was dabei rauskommt: der Friedensnobelpreis