

Nachdem sich die Weltpresse am Inzestskandal in Amstetten die medialen Bäuche vollgeschlagen hat, erlauben auch wir uns, vom Schauplatz des Familiendramas zu berichten. Im Gegensatz zu allen anderen Medien unterhält gundl.at einen Dauerkorrespondenten in diesem zumeist unsäglich langweiligen Nest: Alexander Desmond. Und jetzt – nach dem allmählichen Abflauen der bisherigen Hysterie – beantwortet er uns die Fragen, die wirklich von Interesse sind:
gundl.at: Alex – welche Medien der Weltpresse waren in den letzten Tagen in Amstetten präsent?
Alexander Desmond: Puh, eigentlich alle: CNN, Aljazeera, ein chinesischer Sender, sämtliche europäischen Fernsehanstalten, Südamerika … wie gesagt die ganze Welt.
gundl.at: Was hat sich für den durchschnittlichen Einwohner dieser wunderschönen Stadt dadurch geändert?
Alexander: Sagen wir es mal so: Es wurde mitunter schwierig, unbehelligt durch die Stadt zu gehen … und es gab ausnahmslos nur ein Gesprächsthema. Die Stimmung im Allgemein war sehr surreal. Ich komme mir allmählich vor, wie in einem Theaterstück von Thomas Bernhard welches von Pedro Almodóvar inszeniert wurde.
gundl.at: Mit welchen Mitteln haben Reporter versucht, ins Landesnervenklinikum Mauer einzudringen?
Alexander: Ich habe eine Bekannte, die dort arbeitet und die berichtete von den abenteuerlichsten Versuchen: Als Arzt verkleidet, als Patient verkleidet (was beim Geisteszustand mancher Reporter gar nicht so abwegig ist), sie saßen in den Bäumen, überflogen in Helikoptern das Gelände oder versuchten Besucher zu bestechen …
gundl.at: Wie haben sich die österreichischen Behörden dagegen zur Wehr gesetzt
Alexander: Wir haben das Bundesheer und die Kobra in Amstetten … was für mich der einzige Grund wäre, ebenfalls nach Mauer zum Glotzen zu eilen …
gundl.at: Ist schon Näheres von den bedauernswerten Opfern bekannt?
Alexander: Nein, aus vertraulicher Quelle weiß ich nur, dass Elisabeth F. in keinem guten Zustand ist, sehr viel älter aussieht und ihre Kinder, die mit ihr im Keller lebten, sehr unterschiedlich mit der Situation umgehen. Während der sechsjährige Sohn alles als Abenteuer empfindet und sehr interessiert und fröhlich auf seine Umwelt reagiert, ist ihr achtzehnjähriger Sohn verstört und verschlossen. Die älteste Tochter liegt noch immer im AKH Amstetten – ihr Zustand ist weiter kritisch – vor allem, da man noch immer nicht weiß, was ihr eigentlich fehlt.
Interessant zu erwähnen wäre, dass die Familie eine eigene Sprache aus Knurr- und Brummlauten entwickelt hat – ich nehme an, um sich in Gegenwart des Josef F. verständigen zu können.
gundl.at: Hat diese grauenvolle Tat auch positive Aspekte?
Alexander: Nein – bis auf fünfzehn Minuten zweifelhafte Berühmtheit der Stadt
gundl.at: Findest du nicht, dass die Wissenschaft nicht Grund zur Freude haben müsste, gleich mehrere „Kaspar Hauser“ als Studienobjekt beschert zu bekommen?
Alexander: Na ja … die Gelegenheit bietet sich selten … aber Grund zur Freude?
gundl.at: Hat Natascha Kampusch den Ort des Geschehens schon besichtigt?
Alexander: Leider noch nicht … ich war schon am Willkommenskränze winden. Nein im Ernst, einerseits ist sie vielleicht die Einzige, die ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Natascha Kampusch war ja nicht die ganzen acht Jahre im Keller sondern z.B. auch auf Skiurlaub mit Priklopil.
Andererseits hat man das Gefühl, dass die gute Frau leidenschaftlich gern in den Medien ist und unruhig wird, wenn sie nicht mindestens jede Woche in einer Zeitung oder im Fernsehen erscheinen kann … Gut – sie hat etwas Furchtbares erlebt, aber ich spreche jetzt etwas ganz Böses aus: Ich kann sie nicht leiden. Und ich denke, es geht nicht nur mir so …
gundl.at: Wie schätzt du die Spendenbereitschaft der Amstettener Bevölkerung ein? Werden die F.s auch Millionäre werden, wie Natascha?
Alexander: Nur wenn Natascha Kampusch tiefer in die Tasche greift als bislang … sie ist ja ein gutes Vorbild.
gundl.at: Und nun eine Frage zu den eigentlichen Opfern dieser Tragödie: Wie haben die rechtschaffenen Bürger Amstettens diese Katastrophe überstanden?
Alexander: So, wie sie den Dreißigjährigen Krieg, Napoleon und mich überlebt haben – mit stoischer Ruhe und Zurückhaltung … im Gegensatz zum Rest der Welt. Im Moment gibt’s Kaffeefahrten zum Horrorhaus in Amstetten. Wir erwarten einen wahren Tourismushype – das ist mein Ernst! Am Muttertag war die ganze Ybbsstraße mit Reisebussen verstopft. Jeder der, bis von Tirol angereisten, Schaulustigen wollte ein Erinnerungsfoto vor dem Horrorhaus.
gundl.at: Und nun eine letzte Frage: Wie ich weiß, hast du ja auch einen sehr interessanten Keller unterhalb deines luxuriösen Appartements. Wann wird dieser der Öffentlichkeit zugänglich gemacht?
Alexander: Wenn Gerhard wieder 25 ist und ich wieder Jeansgröße 28 trage. Also Niemals!
gundl.at: Herzlichen Dank für den interessanten Lagebericht.
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