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Opernhaus Graz.

Eröffnungswochenende 2009/10

(Graz, 12.9.2009).

Festkonzert

Mit persönlichen und launigen Worten begrüßte Elisabeth Sobotka am Samstagabend das zahlreich erschienene Publikum zum Eröffnungskonzert, das unter dem Motto 110 Jahre Grazer Opernhaus stand, und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass das erste Stück die Ouvertüre zu Rossinis Wilhelm Tell war, dargeboten vom Grazer Philharmonischen Orchester unter Chefdirigent Johannes Fritzsch, eingeleitet von den wunderbaren Cellosoli, und großartig über die Gewitterdarstellung ins rasante Finale gesteigert.
Zwar hat Richard Strauss’ Burleske für Klavier und Orchester keinen unmittelbaren Bezug zur Grazer Oper, aber wenn der äußerst anspruchsvolle Solopart von einem Ausnahmekünstler wie Rudolf Buchbinder scheinbar mühelos dargeboten wird, versteht man die Wahl dieses seltenen Stückes.
Der erste Teil endete mit dem Tanz der sieben Schleier und dem Schlussgesang der Salome aus Richard Strauss‘ gleichnamiger Oper, mit strahlendem Sopran wunderschön sinnlich, aber leider nicht immer ganz wortdeutlich gesungen von Mlada Khudoley.
Der zweite Teil begann mit einem vom Orchester transparent duftig vorgetragenen Vorspiel zu Lohengrin, der ersten im Hause je gespielten Oper. Als kleine Hommage an Carl Nemeth zu verstehen ist die große Wahnsinnsszene der Elvira aus Bellinis I puritani, ausdrucksvoll lyrisch und souverän in der Koloratur gesungen von Margareta Klobučar.
Zum Abschluss gab es noch Kostproben aus dem dritten Aufzug von Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg (Premiere 26. September): Beim Wach auf präsentierten sich Chor und Extrachor bereits genauso in großer Form wie Burkhard Fritz beim Preislied des Walther von Stolzing, das er mit klangschönem Tenor und strahlenden Höhen vortrug. Als Hans Sachs stellte sich James Rutherford dem Grazer Publikum vor, mit edlem Baritonmaterial und ausgezeichneter deutscher Aussprache orgelte er die Schlussansprache, jedoch manchmal etwas zu sehr nasal, würde Beckmesser anmerken.

Ö3 Opern Clubbing

Als nicht ganz so geglückt wie das Konzert kann das Clubbing gewertet werden, und das hat für uns vor allem zwei Gründe: Auch wenn das wunderbare Ambiente des Opernhauses im Laufe des Abends mehr als eintausend BesucherInnen anlockte, so haperte es doch einerseits an der Gastronomie, denn z. B. Mineralwasser sollte es schon geben, und andererseits – und das ist der wesentliche Kritikpunkt – an der Musik, da sehr schnell offenkundig wurde, dass die Discjockeys ihr Standardprogramm abspulten und wenig Rücksicht darauf nahmen, für welches Publikum sie auflegten. Schade, denn die location verdiente zweifelsohne eine Wiederholung.

Stefan Mickisch spielt und erklärt Die Meistersinger von Nürnberg

Anschaulich und natürlich mit einer Portion hintergründigen bayerischen Humors erläuterte Stefan Mickisch am Sonntagabend die verschiedenen thematischen Ebenen dieses komplexen Werkes, die sich auch in der Musik widerspiegeln. Ebenso beschäftigen ihn immer die Fragen Woher kommt diese Musik, wie ist sie im zeitgenössischen Kontext zu sehen, wohin weist sie; und so spannte er einen weiten Bogen von Bach über die Wiener Klassik, über Chopin zu Puccini, Scrjabin, Richard Strauss und unerwarteter Weise Johann Strauß, und sogar zur Zwölftonmusik von Alban Berg. Zu bewundern galt es jedoch nicht nur sein profundes Wissen, sondern auch seine außergewöhnlichen pianistischen Fähigkeiten, dank derer er Wagners Musik, und die der anderen erwähnten Komponisten, höchst eindrucksvoll zum Vortrag brachte.

Text: Wolfgang Würdinger




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