
(Graz, 14.2.2009). Im neonbarocken Ensemble aus dem Hause Desmond eröffnete Kurt Zernig, der Vorsitzende der RosaLila PantherInnen, vergangenen Samstag den 20. Tuntenball. Die anschließende Polonaise unter der Leitung von Bernia Ogger übertraf – dem Jubiläum entsprechend – alle bisherigen Eröffnungen bei Weitem: Einer Balletteinlage von dietanzschule folgte Dame Shirley Basseys Hit „Diamonds are Forever“, wunderbar interpretiert von der ebenso fabelhaften Diva Ulrich Braunegg. Als weiteres Extra gab es noch eine Steppeinlage, bevor die 15 Polonaisepaare das beeindruckende Ergebnis monatelanger Probenarbeit präsentierten.
Das weitere Programm des Abends war größtenteils von ebenso erlesener Qualität: Die Musik im Stefaniensaal kam abermals von der Big Band Franz Schober, deren Mitglieder dankenswerterweise erstmals nicht gekleidet waren wie frisch vom Sondermüll-Ball kommend, sondern etwas eleganter (oder zumindest so, wie sich diese Herren elegant vorstellen). Den Kammermusiksaal beschallte ebenfalls in bewährter Manier das Trio Fürchtet Euch Nicht (heuer ohne die Ergänzung zum Quartett), dieses jedoch wie eh und je in absoluten No-Go-Outfits. Die Starmania-Dritte Maria Rerych mit Anhang sorgte in der Diamond Lounge für wunderbare Klangerlebnisse und die Tuntendisco bespielte heuer DJ Diamond Dennis. Die grausamsten Hörstürze konnte tunte sich naturgemäß in der Karaoke-Lounge zuziehen.
In Christian Rosenzopf hat man wohl den für den Job der Moderateuse am besten qualifizierten Sportreporter Kärntens gefunden. Les Schuh Shuh, eine herrlich schräge Truppe tanzbegeisterter und kreativer Tunten und Tuntinnen, passen wunderbar ins Konzept des Balls und sollten unbedingt wieder eingeladen werden. Auch The Bad Powells, die Stargäste zu Mitternacht, sorgten mit Discoklassikern für ausgelassene Stimmung, wenngleich uns ihr Auftritt ein bisschen lang erschien. Die Miss Tuntenball-Anwärterinnen schließlich boten auch überwiegend hochkarätige Unterhaltung. Den Sieg und damit den Titel „Miss Tuntenball 2009“ trug Lady Manu mit einer kraftvollen Performance von „Cabaret“ davon. Die heuer erstmals auch prämierten Plätze zwei und drei belegten Darla Decoration und Laura Adams. gundl.at gratuliert herzlich!
Soweit wir das beurteilen können (Dame von Welt hat ihren Alkohol im Flachmann immer selbst dabei), ging die Gastronomie heuer einigermaßen reibungslos vonstatten. Wahrscheinlich wurden wirklich alle bedient, die bedient zu werden wünschten, denn bereits nach wenigen Stunden wirkte ein wesentlicher Teil der Gäste wahnsinnig bedient. Als klare Verbesserung empfanden wir die zusätzliche Bar im Gang zur Galerie.
Eine weitere begrüßenswerte Neuerung war die Lounge mit der Karaokebühne, die man allerdings wesentlich besser bewerben hätte müssen. Vielleicht gelingt es damit in Hinkunft endlich, das fürchterliche Nadelöhr zwischen Stiegenaufgang und langer Halle zu entschärfen. Wir sind es jedenfalls leid, dort ständig angeschüttet und niedergerempelt zu werden.
Ganz wunderbar fanden wir (und finden wir in unserem Wohnzimmer noch immer) die edle Blumendeko von flowerpower.
Die Atmosphäre am Ball fanden wir insgesamt recht locker und angenehm entspannt, die Kleidungsmoral der BesucherInnen scheint hingegen am (bisherigen) Tiefpunkt angekommen zu sein. Zunächst noch großes Lob und Verneigung vor allen großartigen, kreativen, aufwändigen Roben und Kostüme (einige Dutzend waren es ja doch): Ohne euch wäre dieser Ball nur ein weiters großes Clubbing ohne Flair! Und jetzt die Rüge für die Hundertschaften an plumpen, hässlichen, uninspirierten und in letzter Minute zusammengekramten Faschingsgschnas-Fetzen: Leute! Jeans und T-Shirt geht nicht! Scheußliche (oder keine) Unterwäsche und sonst Nix an einem scheußlichen Körper geht nicht! Eine bunte Faschingsperücke plus Straßenkleidung geht nicht! Und so weiter und so fort.
Nichtsdestotrotz: Ein großes Danke an Marko Scherngell und das Team der RosaLila PantherInnen für eine wunderbare Ballnacht und an das Team des Vereins Stop Aids für ihren Einsatz um eine wichtige Sache!
Abschließend noch ein Arbeitsauftrag an die LeserInnen: Alle, die das hier lesen und der Meinung sind, die Kaiserin Elisabeth sei ihnen am Ball erschienen, denken darüber nach, wie unwahrscheinlich es ist, dass sich eine solche Erscheinung in einem grünen oder blauen Kleid oder mit blonden Haaren manifestiert, und setzen sich jetzt in eine Ecke und schreiben hundert Mal: „Nicht jede Person in einem Kleid stellt Sisi dar.“
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Kommentare
06.03.2009, 11:02 - Martin SoHo (http://www.soho.or.at)
Liebe gundl-Gemeinde!
Ich habe den Ball ebenso wie der Autor des Artikels, wunderbar empfunden. Es war eine tolle Stimmung, viele anregende Diskussionen (zumindest durfte ich sie erstmals mit wirklichen vielen Menschen führen), mediale Präsenz (für LGBT-Themen und Botschaften immer gut, wenn positiv besetzt) und ein aufregendes Programm. Alleine durch die Vorfelddiskussionen kamen dieses Jahr die Inhalte, meiner Meinung nach, nicht zu kurz. Alleine sehr viele steirische Radiosender haben zuvor angemerkt und sind teilweise sehr intensiv auf das Faktum "Charity" eingegangen. Eine erfreuliche Entwicklung. Auch der Organisator - Marko - hat es gewusst, diese Tatsache klar zu transportieren. Ein angenehmes Novum.
Der Ball lebt von Details. Sei es der Amarosa oder die künstlerischen Darbietungen. Im selben Ausmaß sind aber die Kostüme wichtig. Auffallende Kleider-Inszenierungen lohnen sich, da diese die beste Werbung für die Veranstaltung sind. Dieses Jahr waren tatsächlich viele der Roben nur "mittelprächtig" oder auf gut steirisch "husch-wusch"-Aktionen. Leider! Bisher konnte der Ball ohne eine entsprechende Regelung auskommen, ob es in Zukunft auch so sein wird? Wie auch immer: Ich für meinen Teil weiß, dass die Vorbereitungen für den Tuntenball in meinem Freundeskreis und bei mir, bereits im Dezember 2009 starten werden und egal ob Kostümkarte ja oder nein, wir sind dabei. Es geht nichts über klare Linien und Formen = Klarheit im Kostüm. Und für alle die einen Grund suchen, weswegen sie sich in ein passendes Kleid stopfen sollen: das Blitzlichtgewitter macht alle Gedanken an die Arbeit und Qualen wett. Glaubt mir das :o)
03.03.2009, 13:13 - litti
Um mich klar auszudrücken: Wenn man bestimmte Kostümierungen haben möchte, muss man dass bevor der Ball statt findet, auch so rüberbringen. (Kleidervorschrift nennt sich das) und da wir alle Menschen sind, und die einen schöne Körper haben, und die anderen wie bezeichnet "schirche" (welche Meinung ich nicht teile) das sollte mann dann vielleicht auch noch unterbringen. Viele waren halt anders kostümiert als die Erwartungshaltung, um sich den Tuntenball anzusehen. Aber genau auch diese Leute haben den Tuntenball ausgemacht auch die mit den schirchen Körpern und mit den lt. Pressebericht nicht so angebrachten Kostümen....! Weil wenn es nicht möglich ist, alle so zu nehmen wie sie sind - oder nicht gerne anzusehen, dann hat diese Veranstaltung den SINN verfehlt - weil es darum geht dass homosexuelle Leute in der Gesellschaft respektiert werden - gute Werbung wenn mann/frau dann ohne kleidervorschrift für ihre Kostüme verhunzt werden! - so war das gemeint.
02.03.2009, 09:50 - TomAusGraz
die frage ist, wie man einen ball abhalten soll auf dem die tatsache, dass homosexuelle in der geselschaft nicht respektiert werden hauptthema ist? dieses faktum ist zwar ein wichtiger punkt aber wohl kaum ein erfreulicher grundtenor für eine abendveranstaltung die unterhaltsam sein soll. also bitte liebe litti, erkläre uns wie man das machen soll ohne die stimmung am ball zu trüben oder gleich völlig im keim zu ersticken. eine diskussionsrunde statt ballmusik im stefaniensaal?
glg tom
24.02.2009, 18:30 - litti
Ich war enttäuscht vom Tuntenball. Es waren tolle Kostüme aber weder den heteros noch den anderen ging es um den wahren Sinn dieser Feier, noch viel trauriger ist irgendwie dass man hier jetzt auch noch groß um schöne kostüme, schirche kostüme passende und unpassende Kostüme diskutiert wird. Natürlich gehören die Kostüme dazu, aber noch wichtiger ist die Tatsache, dass homosexuelle in der Gesellschaft respektiert werden! und darum findet ja auch eigentlich dieser Ball statt?
19.02.2009, 13:16 - dieböse
seids ma amal net bös: aber ich kann keine "witzigen" heten mehr sehen, die nix anderes tun als gaffen und blöde bemerkungen von sich geben
das ganze jahr brav in nadelstreif und jeans und am ball dann auf ultra schmuddelig. denn "da kann mann sich ganz ungeniert benehmen"
hab ich bemerkt.nächstes jahr schlag ich dj ötzi vor gratis alkopops und einen wet-t-shirt contest im steffi-saal.
um mich von besoffenen "heten" angrapschen und blöde anmachen zu lassen muss ich nicht 35 EUR zahlen sondern kann auch in die opernpassage gehn...
aso da war eh die berühmte after-bin begeistert von der doppeldeutigkeit-party...(zu deutsch arschfeier)
schade das das niveau ins bodenlose rasselt..
noch was:
ich wurde auch andauernd al "sissy"; angelallt und hatte nicht mal ein kleid im klassischen sinn an.
trotzdem kompliement an die rlp.
sehr schön organisiert aber für das gsindl das daherkrallt könns halt nix.
19.02.2009, 00:39 - dasProfil
liebe rlp,
die letzten jahre bin ich dem tuntenball ja ferngeblieben, da meines erachtens nach "seinerzeit" der wechsel vom meerscheinschloessl in die ak-saele die stimmung etwas truebte (da sich u.a. die leute dort ziemlich verlaufen haben und damals schon der trend in richtung "hetero-gehen-tunten-gaffen" bemerkbar machte.
gut. fuer das 20er jubilaeum hab ich mich dank einer mir von einem guten bekannten geschenkten karte fleissig in den fummel geworfen und bin frueh zum ball, um zu gucken, wer wie verkleidet erscheint.
was da teils aber die stufen raufdefilierte - schlimm. bei einer deutschschularbeit waer sowas unter "themenverfehlung" mit einem glatten "nicht genuegend" bewertet worden (umsomehr wunderte mich die praemierung des james-bond-kostuems beim TUNTENball).
um mich kurz zu fassen: das ehem. STAMMpublikum bleibt dem ball mittlerweile grossteils fern, der ball verkommt immer mehr zu einem billigen faschingsgschnas. klar - es kommt dabei einiges an geld rein, von dem die rlp wahrscheinlich das ganze jahr ueber ganz gut leben koennen (und auch muessen). nur sollte man nicht uebersehen, dass - wenn man sich das stammpublikum vergrault - der erfolg des balls dann am seidenen faden haengt. denn wenn die einfallsreichen kostueme immer weniger werden, wird sich auch das publikum in raumschiff-unterhosen wo der bauch drueberschabbelt, den unzaehligen cowboy- und schottenrockoutfits, lametta-im-haar-kostuemen und zerrissenen tshirtstraegern die frage aufdraengen, weshalb sie hier 35,- eintritt loehnen, wenn sie das ganze eigentlich beim faschingsumzug der kleinen zeitung kostenlos haben koennen.
sollte am geruecht was dran sein, dass der tuntenball in die messe siedeln will - ich wuerde das geld vom eintritt gut anlegen, denn das jahr drauf werden sich nicht mal genug karten verkaufen um bspw. die postgarage zu fuellen.
es waere an der zeit, dem ball wieder in richtung TUNTENball zu bringen. damit meine ich keinesfalls den ausschluss des bunt gemischten publikums, aber ev. wuerde es helfen, den kartenpreis bei 35,- zu belassen und leuten die sich echt muehe bei der verkleidung geben und dem thema passend kleiden, bspw. vor ort dann einen gewissen teil des bezahlten eintrittspreises in form von getraenkegutscheinen zu "refundieren". schliesslich lebt der ball von guten verkleidungen, und wer mal rechnet was ein gutes kleid, falsches haar, etc. kosten - da fragt man sich dann schon weshalb man sich die muehe macht und nicht auch wie die vielen anderen sich in hautenge shorts wirft, so hat man dann wenigstens die chance, eins vom ball positiv in erinnerung zu behalten: einen guten one night stand den man sich am ball aufgerissen hat (was ja den tunten meist verwehrt ist ^^).
ps: ziemlich stimmungstoetend war diesmal das ueberangebot an live-acts. kaum war in der disco so richtig gute stimmung - musik aus, absperrung und show wo die meisten sich den schmalen gang rausstauten...das ist ein ball wo man tanzen will und spass haben, aber weder oper noch theater :)
17.02.2009, 18:11 - TomAusGraz
ich mag das wagnerische metrum dieses autors..
Wahrscheinlich wurden wirklich alle bedient, die bedient zu werden wünschten, denn bereits nach wenigen winterstürmenden Wonnemonden wirkte ein wesentlicher Teil der wahnsinnigen Wallküren wunderbar bedient.
hotojohooo, hotojohooo.