

Als altgediente Katzenmami möchte ich heute ein Plädoyer für Haustiere halten. Warum tun sich denn so viele Menschen den Aufwand an, ein Haustier zu halten? Man investiert ja nicht nur Zeit, sondern auch einiges an finanziellen Mitteln, wenn man sich einen tierischen Hausgenossen zulegt. Was veranlasst uns eigentlich dazu? Ich glaube, es ist die Beständigkeit der Zuneigung, welche uns Tiere entgegenbringen. Wir leben in einer sehr hektischen Welt, in welcher vor allem zwischenmenschliche Beziehungen unter galoppierender Schwindsucht leiden. Wie angenehm macht sich da im Beziehungsvergleich unser geliebtes Haustier! Wann hat sich denn schon einmal ein Hund von seinem Herrchen scheiden lassen, weil sich die Beziehung abgenützt hatte und ein neues Herrchen die bessere Wahl zu sein schien? Welche Katze hat denn schon jemals eine Trennung von Futternapf und Bett ausgesprochen, weil sie sich bei jemand anderem glücklicher wähnte?
Unsere Tiere scheinen den Dreh einer glücklichen und vor allem beständigen Beziehung viel besser heraus zu haben, als wir dummen Menschen – und das scheint das Geheimnis des Siegeszuges unser schnurrenden, bellenden, pfeifenden oder auch stummen Lieblinge zu sein. Sie bringen eine herzerwärmende Kontinuität in unseren Tagesablauf – und bei der großen Anzahl von verfügbaren Tierarten findet auch jeder das Haustier, das perfekt zu ihm passt.
Ich persönlich bevorzuge die Haltung von Tieren, die auch bei uns heimisch sind. So schön ein prächtig gefiederter Papagei auch ist – ich finde, dass er sich im subtropischen Regenwald besser macht und glücklicher lebt, als in einer noch so prächtigen Voliere. Deswegen bin ich auch ein Gegner von zoologischen Gärten. Ich finde kein Vergnügen daran, mir eingesperrte Tiere anzusehen, mögen sie auch noch so artgerecht gehalten werden.
Auch unsere Haustiere wollen artgerecht leben. Die meisten Tierhalter sehen das genauso. Nicht umsonst steht die Hauskatze in Europa auf Platz eins der Haustierhitliste. Die schnurrenden Hausgenossen, welche übrigens nicht von der bei uns heimisch gewesenen Wildkatze, sondern von der ägyptischen Falbkatze abstammen, fühlen sich in unserer Umgebung und in unserem Klima pudelwohl. Und damit ist auch die Brücke zu ihren nicht minder geschätzten bellenden Mitbewerbern um unsere Gunst geschlagen. Sind Katzen etwas eigenwilliger und selbständiger, so können wir uns bei Hunden in ihren vielfältigen Rassen und Hybridformen ihrer vollen Treue sicher sein. Über etliche Jahrtausende haben wir durch gezielte Zuchtauswahl den Hund unserer Verhaltens- und Lebensweise angepasst und bezeichnen ihn zu Recht als unseren besten (tierischen) Freund. Denn bei aller Tierliebe darf man nicht vergessen, dass unsere besten Freunde wohl Menschen sein sollten und Tiere zwar Familienmitglieder sind, aber trotzdem einer anderen Spezies angehören.
Wenn wir gerade über die Spezies reden: Nach welchen Kriterien sucht man sich denn „sein“ Haustier aus? Ich glaube, dass da viel Unterbewusstes mitspielt. Zwar muss man sich, wie meine Oma zu sagen pflegte, „nach der Decke strecken“. Wer oft beruflich unterwegs ist, wird sich kein Tier nehmen können, welches viel persönliche Zuwendung benötigt. Vielleicht sind deswegen bei Workaholics Fische so beliebt – oder ist es die beruhigende Wirkung, die in einem Aquarium dahingleitende Fische ausstrahlen? Aber die Entscheidung, ob Hund oder Katz ins Haus kommt, ist ganz sicher eine rein emotionale. Mir haben es zum Beispiel die schnurrenden Samtpfoten angetan – wahrscheinlich, weil sie bei Bedarf zumindest genauso zickig sein können, wie ich selbst. Wie der Herr, so das G’scher… Ich scheine jedoch in der Erziehung meiner jetzigen Katze einen Fehler gemacht zu haben, weil sie überhaupt nicht zickt. Sie ist immer gut gelaunt und hat mit ihren Krallen noch nie auch nur die kleinste Verletzung an Menschen verursacht. Und auch mit Hunden versteht sie sich prächtig. Die alte Mähr von Hunden als Katzenhassern und umgekehrt ist heute eh schon fast ausgestorben. In vielen Haushalten führen Bello und Minki geradezu traumhafte Ehen…
Jetzt noch ein kleiner Exkurs zu den verschiedenen Hunde- und Katzenrassen. Wenn man sich die Anschaffung eines Rassetieres überlegt, sollte man auch bedenken, dass sich die verschiedenen Rassen nicht nur äußerlich unterscheiden. Zumeist entscheidet man sich nach dem Äußeren, weil die eine oder andere Rasse halt so lieb aussieht. Viel wichtiger ist jedoch, die sehr unterschiedlichen rassebedingten Charaktermerkmale zu bedenken und abzuwägen, ob diese auch zum eigenen Naturell passen. So sind zum Beispiel Hunde, welche für die Jagd gezüchtet wurden, sehr eigenwillig. Dackel und Terrier zeigen dementsprechend eine extreme Eigenständigkeit und natürlich einen ausgeprägten Jagdtrieb – wurden sie doch dazu gezüchtet, Füchse oder Dachse zu hetzen und sogar in deren Bauten einzudringen und diese äußerst wehrhaften Kreaturen unter Einsatz ihres Lebens zu stellen und herauszutreiben. Diese Charaktereigenschaften erfordern natürlich einen bestimmten und erfahrenen Hundeführer, der weiß, wie er die kleinen Rabauken einerseits beschäftigt und andererseits im Zaum hält. Natürlich bleiben die spezifischen Eigenschaften auch bei Kreuzungen erhalten – allerdings vermischen sie sich genauso wie sich auch das äußere Erscheinungsbild bei Kreuzung ändert.
Bei Katzen sind die Charakterunterschiede zwischen den verschiedenen Rassen nicht so ausgeprägt, aber dennoch sehr deutlich. So differieren die verschiedenen Miezerassen nicht nur in der Größe (von knapp 2 Kilogramm (hochgezüchtete Siam) bis über 10 Kilogramm (Maine Coon, Normalgewicht) sondern auch im Verhalten. Es gibt ruhige und laute, zurückhaltende und draufgängerische, doofe und aufgeweckte Rassen. Vor der Entscheidung, welche Rasse es nun werden wird, sollte man also bereits die erste Fachliteratur gelesen haben – egal ob es um Hund oder Katz geht. Und wer beabsichtigt, einen Exoten wie ein Chamäleon, eine Schlange oder tropische Spinnen (dem Einfallsreichtum sind da keine Grenzen gesetzt) zu halten, der sollte vor dem Kauf schon über ein reiches theoretisches Wissen verfügen.
Bei allen Rassetieren empfiehlt es sich jedenfalls, den Züchter vor dem Kauf genauer in Augenschein zu nehmen. Hält er seine Tiere mit so viel Verantwortungsgefühl, wie wir es erwarten, sind seine Tiere verhaltensunauffällig? Bewegen sich die Tiere angstfrei in ihrem Territorium? Schreckhaftigkeit der präsentierten Elterntiere deutet nämlich darauf hin, dass sie woanders weggesperrt werden und nur, wenn Besuch kommt, in die Wohnung dürfen. Man sollte nur Tiere von ausgeglichenen und gut gehaltenen Elterntieren nehmen. Bei Tieren ist es nämlich genauso wie bei Menschen: Gestörte Eltern produzieren sozial unangepassten Nachwuchs.
Und wer ein Tier zum Gernhaben sucht und ihm stressige Ausstellungsbesuche nicht antut, der sollte ein Exemplar mit nicht allzu ausgeprägten Rassemerkmalen wählen. Die sind nicht so hochgezüchtet und resistenter gegen Erbkrankheiten. Jedem sind die Hüftprobleme von Schäferhunden und Golden Retrievern bekannt. Und wenn man ein Tier mit einem schiefen Ohr oder einem kleinen Farbfehler nimmt, kann man auch beim Kauf sparen – der Freude am neuen Hausgenossen tut das keinen Abbruch. Wer sich nicht so genau auskennt, sollte sich vor dem Kauf beim Tierarzt seines Vertrauens erkundigen, worauf man bei der jeweiligen Rasse achten sollte. Bei siamesischen Katzen sollte man zum Beispiel kein Tier mit allzu langem Schwanz nehmen – das lässt auf Probleme beim Rückgrat schließen. Golden Retriever sollten nicht weiß, sondern semmelbraun oder dunkler sein. Die künstlich herausgezüchtete weiße Decke geht mit Hirnproblemen einher. Es ist bereits mehrmals vorgekommen, dass diese Tiere ihre Hundeführer grundlos angefallen haben. Einer meiner Freunde musste seinen gerade mal einjährigen Retriever einschläfern lassen, weil er ihn, seine Mutter und seinen Vater gebissen hatte.
Bei der Auswahl jedes Haustieres sollte man darauf achten, dass man sich ein gemütliches Tier aus dem Rudel aussucht. Sowohl der Anführer der Bande, als auch jene Tiere, die sich dauernd von der Gruppe absondern, haben einen Dachschaden. Mit denen wird man nur Probleme haben. Also Finger weg, auch wenn man mit dem armen Hascherl, das sich unter dem Kasten versteckt, noch so viel Mitleid hat. Ich habe die Geschichte von zwei Tieren – einem Hund und einer Katze – verfolgt, welche von ihren Besitzern ausgewählt wurden, weil sie immer allein und abseits des Rudels saßen: Der Hund hat sich nie in die Familie integriert und abwechselnd, aber in regelmäßigen Abständen die Familienmitglieder gebissen (das war übrigens nicht der oben erwähnte Golden Retriever). Die Katze hat sich auch nicht integriert und war trotz liebevoller und ruhiger Haltung zeitlebens extrem schreckhaft und kratzbürstig.
Ich hoffe, dass diese Beispiele den geneigten Leser nicht abgeschreckt haben. Es ist nämlich toll, auf den Hund oder auf ein anderes Haustier zu kommen! Jedenfalls wünsche ich allen Lesern unserer Seite alles Gute und viele schöne Stunden mit ihren tierischen Hausgenossen!
Text:
Kommentare