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Zum 10. Todestag von Lady Di

Die hinige Prinzessin

Es ist also schon 10 Jahre her, seit sich Lady Di, selbsternannte Königin der Herzen, von einem besoffenen Fahrer mit 200 Sachen ins Jenseits katapultieren ließ. Da halfen mangels angelegter Gurte auch die passiven Sicherheitssysteme der S-Klasse Limousine nichts. Wenige Stunden nach den letzten Sensationsfotos, die sie sterbend im Autowrack zeigten, erlag sie ihren Verletzungen.

Die Welt trauerte, Verschwörungstheoretiker sponnen die abstrusesten Szenarien, die königliche Familie wäre fast an den Blumenbergen erstickt, die mitleidige Untertanen an den Mauern des Buckinghampalastes aufhäuften – und fast wäre durch die dilettantisch unnachgiebige Haltung der Queen auch ihr Thron umgekippt. Und mal Hand aufs Herz: Wer hat in diesen Tagen nicht davon geträumt, Florist in London zu sein?

Nach Diana war nichts mehr so, wie zuvor. Aber warum eigentlich? Tödliche Autounfälle unter Alkoholeinfluss sind nichts Ungewöhnliches – auch das Schicksal von Lady Diana Spencer war nichts wirklich Neues: Traumhochzeit mit einem als Prinzen verkleideten Frosch, der sich als notorischer Ehebrecher herausstellte, eine kaltherzige Schwiegermutter, Depressionen, Essstörungen, Scheidung … die ganze Palette von Katastrophen halt, welche eine dysfunktionale Ehe anrichtet. Wo ist denn da der Stoff aus dem Legenden gemacht werden? Na gut – Elton John hat eines seiner Lieder über Marylin Monroe mit einem Diana – Text versehen. Aber das ist auch nur ein Auswuchs des schon bestehenden Mythos, dessen Ursprung sich irgendwie dem rationalen Verständnis entzieht.

Ist es vielleicht der archaisch anmutende Kampf der jungen, schwachen Heldin mit einem in verknöcherten und starrsinnigen Ritualen gefangenen Königshaus, in welchem sie nach Jahren der Demütigungen und oktroyierten Selbstverleugnung kurzzeitig zu triumphieren schien, bis sie dann – endlich gereift und dem Käfig entronnen – den Unfalltod sterben musste? Sozusagen eine moderne und wohlfrisierte Doña Quixote? Und ihr Weggefährte auf der Reise in die Unsterblichkeit – der arbeitsscheue Lebemann mit dem unsäglichen Namen „Dodi“ – ist vergleichbar mit Aldonza der Hure.

Ja – das ist der Berühmtheit Ursprung: Wir befinden uns in einer Abwandlung des auch als Musical verfügbaren Klassikers von Miguel de Cervantes: Weltfremde ungebildete Gretel vom Land rutscht durch eine von oben verordnete Heirat von einer kaputten Familie in die nächste und wird, je mehr Leid auf sie einstürmt, immer berühmter, lässt alle Neider hinter sich und stirbt den triumphalen Heldentod.

Bücher gibt es schon genug über Lady Di – einige schlechte Filme auch. Ich frage mich nur, wie lange es noch dauert, bis das einschlägige Musical die hinige Prinzessin aus dem Grab zerrt und über den Brodway defilieren lässt. Das wäre doch was für Sir Andrew Lloyd Webber – oder soll doch lieber Sir Elton John für dieses heikle Projekt sein Klavier traktieren? Wir werden sehen …

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