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Tischmanieren für den Stubentiger

Hilfe! Meine Katze frisst nicht aus dem Napf!

Aufmerksame LeserInnen meiner Kolumne kennen meine "Gaubo" schon von verschiedenen Artikeln. Der Zufall hatte uns zusammengeführt, als eine meiner Freundinnen vor 19 Jahren ein halbverhungertes, 4 Wochen altes Kätzchen am Straßenrand fand:

Wegen absoluter Inkompatibilität mit ihrer alteingesessenen, kratzbürstigen Hauskatze vertraute sie mir – Abschiedstränen in den Augen – das handtellergroße fellbespannte Skelett an.
Ich war ziemlich unvorbereitet zu meinem ersten Haustier gekommen. Freudig trug ich diese winzige, aber unglaublich charmante Kreatur in meiner Jackentasche heim und zeigte ihr meine Wohnung. Was soll ich sagen... Seit damals darf ich bei ihr wohnen. Eine so langjährige Partnerschaft bedingt natürlich auch, dass man sich gegenseitig ziemlich gut kennen lernt. Mittlerweile bin ich ein Spezialist, was unseren schnurrenden Hausherren angeht. Und könnte Gaubo den Computer bedienen, würde sie euch auch einige Bonmots aus unserem Zusammenleben schildern. Aber zum Glück hat sie als Wohnungskatze nie den Umgang mit einer Maus gelernt...

Eine Unart bei der Futteraufnahme hat mich von Anfang an gestört: Die Gaubo fraß nicht aus dem Futternapf, den wir von einem führenden Hersteller von Tiernahrung zugeschickt bekommen hatten. Sie nahm immer einen Bissen heraus, legte ihn auf den Boden und verspeiste ihn dann dort. Das Spiel ging weiter, bis der Napf leer war. Meine Mutter hatte in ihrer Verzweiflung schon einen Untersetzer gekauft, um Gaubo vor der Futteraufnahme vom Boden zu bewahren.
Dabei war die Lösung so einfach, dass es schon wieder genial ist: Aufmerksame Beobachtung der Mimik beim Fressen hat mich auf die Idee gebracht, was da nicht stimmt. Die handelsüblichen Näpfe sind für Katzen nämlich vollkommen ungeeignet. Damit können nur Hunde was anfangen. Katzen empfinden es als äußerst unangenehm, wenn sie sich beim Fressen die Schnurrhaare verbiegen müssen. An deren Wurzeln befinden sich nämlich sehr sensible Nervenenden, mit denen die Katze die leisesten Bewegungen wahrnehmen kann. Deswegen verleidet es ihr den Appetit, wenn vom Napf bei jeder Kaubewegung der Schnurrbart nach hinten gestaucht wird.

Katzen fressen deswegen am liebsten von einem flachen Teller (siehe Bild). Und siehe da – nach kurzer Umgewöhnung waren Gaubos Tischmanieren erstklassig!

Noch ein weiterer Tipp zur Futteraufnahme: Katzen trinken nie dort, wo sie fressen. Weil sie nur absolut frische Nahrung zu sich nehmen, sagt ihnen ihr Instinkt, dass sowohl Fleisch als auch Wasser verderben, wenn sie miteinander in Kontakt kommen. Die Tränke sollte deswegen in einem anderen Eck stehen als der Teller mit dem Futter.

Hunde sind da ganz anders. Die haben einen Saumagen – klar, sind sie doch Alles- und vor allem Aasfresser. Da darf der Knochen schon mal einige Tage in der Sonne vor sich hingammeln, bis er so richtig schön stinkt.

Und stellvertretend für unsere schnurrenden Haustiere richte ich hiermit einen Appell an die Tiernahrungsindustrie: Unsere Katzen fressen in freier Wildbahn kein Rind mit cremiger Soße oder Schlemmertruthahn in Gemüseallerlei und Petersilgarnitur, wie uns die Werbung immer vorgaukelt. Die wollen Mäuse und andere Kleintiere – oder die mutigeren Kämpfertypen nehmen es schon einmal mit einer Ratte auf. Wir wollen also auch artgerechte Dosennahrung: Wie wäre es mit den Geschmacksrichtungen „Dicke fette Maus“, „Grausliche Kanalratte“ oder „Unschuldiger kleiner Vogel“? Gaubo und Fudel wären begeistert.

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