Cuisine à la Maison
Küche nach Art des Hauses
Das mit dem Kochen ist so eine Sache für sich. Wenn man alles schön planen kann, Zeit hat, um sich ein Rezept auszusuchen, einzukaufen und dann rechtzeitig mit der Zubereitung beginnt, ist ja alles schön und gut. Aber was macht man, wenn man unter Zeitdruck schnell was auf den Tisch bringen muss? Dann ist Improvisationstalent gepaart mit Mut zur Lücke angesagt. Ich nenne das eben „Cuisine à la Maison“: Man öffnet die Kühlschranktür und was herausfällt, kommt in den Topf. Das ist natürlich etwas übertrieben, aber es findet sich in (fast) jedem Kühlschrank etwas, was sich zu einem schmackhaften Mahl zubereiten lässt.
Oder wer kennt nicht den strengen Geruch, wenn irgendwas im Kühlschrank beginnt, von selbst zu kompostieren? Um dem vorzubeugen, sollte man in regelmäßigen und nicht zu langen Abständen ein „Restlkochen“ veranstalten. Es wird einfach so lange nichts eingekauft, bis der Kühlschrank leer ist. Das schont das Budget und verhindert, dass sich im Kühlschrank oder in der Speisekammer Lebensformen entwickeln, welche nach reiflicher Evolution die Weltherrschaft erringen wollen.
Als Einstieg in die hohe Schule der Cuisine à la Maison empfiehlt es sich, das Kochen nach der italienischen „cucina povera“ zu erlernen. Das heißt übersetzt „arme Küche“. Sie verwendet preiswerte Zutaten wie Reis, Nudeln, Gemüse, Käse oder Fisch (bei uns leider nicht ganz so billig). Sie entstand in Italien als Küche der armen Leute am Land und ist durch einfache, aber gesunde Rezepte geprägt. Vor allem Reis oder Nudeln sind nahrhaft und zu ihnen passt so ziemlich alles. Im Gegensatz zur französischen Küche zum Beispiel sind die einfachen italienischen Sachen watscheneinfach nachzukochen. Einige dieser Rezepte befinden sich auch in unserer Lifestyle – Rubrik, die laufend erweitert wird. Als totaler Anfänger empfiehlt es sich aber, dass man die Sache mit einem guten Kochbuch beginnt. Nach ein paar Versuchen wird man feststellen, dass die guten Rezepte nur sehr wenige Zutaten benötigen. Ein schmackhaftes Sugo beginnt schon bei etwas Olivenöl, Tomaten aus der Dose und drei Gewürzen (Salz, Pfeffer und Basilikum). Die dafür aufzuwendende Zeit liegt bei drei Minuten Vorbereitung und 20 bis 30 Minuten Kochen.
Aus einem Strunk Brokkoli und ein paar dem Untergang geweihten Kartoffeln lässt sich zum Beispiel ein herrlicher Auflauf zaubern. Das Gemüse kurz vorkochen und dann mit einer Bechamelsoße (Butter und glattes Mehl anschwitzen und dann mit Milch aufgießen) im Rohr überbacken. Wenn noch etwas Käse da ist, kann man den Auflauf noch mit einer Käsekruste versehen – ist aber nicht unbedingt notwendig.
Reis zum Beispiel ist der ideale Trägerstoff, um Reste, die gerade mal eine Portion ergeben, zu einem Mehrpersonengericht aufzublasen. So wird aus den Resten vom Hendl ein Geflügelreis, aus dem überzähligen Saftschnitzel ein – wie soll man es bloß nennen – eben "Reis à la maison" und Reis ohne was dazu schmeckt auch ausgezeichnet, wenn man ihn nicht als Beilage körnig kocht, sondern aus Rundkorn ein Risotto macht. Dazu braucht man aber unbedingt Parmesan, weil’s sonst eher fad schmeckt. Risotto passt übrigens ausgezeichnet zu allen Arten von Gemüse. Einfach das Gemüse mit Zwiebeln anschwitzen und dann im gleichen Topf wie gewohnt das Risotto kochen.
Noch ein Wort zu Kochbüchern: Die gehören in jeden Haushalt. Einerseits lernt man nur so den richtigen Umgang mit Zutaten und Küchengeräten und andererseits wird man auch als guter Koch mit der Zeit betriebsblind. Das heißt, man kocht in wechselnder Abfolge immer das gleiche. Da braucht man immer wieder neue Anregungen. Am besten schmökert man ab und zu im Buchladen. Ein ganz gutes Kochbuch, das man als Grundausstattung betrachten kann, ist das Sacher-Kochbuch. Es enthält so ziemlich alles an Rezepten und Warenkunde, was man im Alltag so benötigt. Vor allem bietet es einen breiten Querschnitt über Kochen und Backen, ohne sich in Details zu verlieren. Sehr empfehlenswert!
Nun noch eine allgemeine Warnung: Hände weg von Koch– und Backbüchern, die für jedes Rezept ein Foto bieten. Das schaut zwar schön aus, die darin enthaltenen Rezepte sind aber meistens nur Mittelmaß. Das hat wahrscheinlich den Grund, dass sich vor allem Anfänger von den Fotos angezogen fühlen – und denen macht man es mit standardisierten Anleitungen einfacher, als die Sache tatsächlich ist. Ein weiterer Grund könnte sein, dass diese Bücher vor allem aus Deutschland kommen. Unsere nördlichen Nachbarn haben nun mal einen Hang zum Perfektionismus – und da gehört nun mal jeder Teller fotografiert. Kochen kann man aber in Italien, Frankreich oder zum Beispiel Österreich besser.
Wenn man dann den Umgang mit den verschiedenen Zutaten gelernt hat, kann man beginnen, selbst kreativ zu werden. Dann verschimmelt so leicht nichts mehr und man kann sich elegant über Versorgungsengpässe hinwegretten...
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