Schnäppchenhunting
Der Kauf von Elektrogeräten als Trendsportart
Egal, worum es sich handelt – man sollte sich vor der Kaufentscheidung genau informieren. Nachdem man weiß, was man will (das ist oft gar nicht so einfach) sollte man zuerst einmal einen großen Discounter aufsuchen, wo man vom Verkaufspersonal nicht allzu sehr belästigt wird.
Dann zuerst einmal die verschiedenen Modelle anschauen und die optischen Eindrücke auf sich wirken lassen. Ein Verkaufsgespräch über technische Details lenkt in der Anfangsphase nur ab. Für mich ist es ganz wichtig, dass mir die Dinge auch im ausgeschalteten Zustand gefallen. Man hat keine Freude an einem Gerät, wenn es dem optischen Anspruch auf Ästhetik nicht entspricht. Da kann es noch so funktionell sein.
Dann die Haptik testen: Wie fühlt es sich an, schließt der Deckel oder die Tür satt, rasten die Knöpfe auch präzise ein, fühlt sich die Oberfläche angenehm an? Das hört sich vielleicht überzogen an, aber ein Gerät, das man gerne angreift, bedient man auch gerne – auch wenn es sich um eine Waschmaschine handelt. Oder der Staubsauger: Den schaltet man nicht einfach ein und fertig, sondern man hält ihn während seinem Einsatz immer in der Hand. Wenn man ihn ungern anfasst, wird sich auf lange Frist der Staub in der Wohnung wohler fühlen, als man selbst.
Auch sehr wichtig: Das Laufgeräusch. Die Kaufentscheidung für meine geliebte Nähmaschine hat das angenehme turbinenartige Surren ausgemacht. Ich habe zwar mehrere Verkäuferinnen verschiedener Geschäfte fast zum Wahnsinn getrieben, aber der Aufwand hat sich gelohnt. Nach mehr als 15 Jahren sind meine Nähmaschine und ich immer noch ein glückliches und sehr produktives Paar.
Wenn man dann alle Geräte, die in Frage kommen, durch hat, sollte man sich die genauen Gerätebezeichnungen und den Preis der in Frage kommenden Stücke notieren – das ist für einen repräsentativen Vergleich unbedingt notwendig. Erst dann sollte man die Hilfe des Verkaufspersonals in Anspruch nehmen. Einfach zuhören. Am Ende des Gespräches kann man schon mal ein bisschen zu feilschen beginnen. Aber Vorsicht: Keinesfalls beim ersten Händler kaufen! Es geht nur darum, die Flexibilität des Preisrahmens zu prüfen. Sollte der erste Händler tatsächlich der billigste sein, kann man immer noch wiederkommen und vielleicht noch ein paar Euro runterreißen. Anfänger, die Probleme mit dem Nein-sagen haben, sollten vorsichtshalber Geld und Kreditkarte zu Hause lassen. Aber nicht aufs Feilschen vergessen! Übung macht den Meister.
Und dann geht es weiter zum nächsten Discounter. Die ganze Prozedur wieder von vorne.
Nach ein paar Expeditionen hat man dann schon einen guten Überblick über die Angebotspalette und die Preisgestaltung. Spätestens dann fällt die Entscheidung für ein bestimmtes Produkt. Mein Tipp: Bei Waschmaschinen, Geschirrspülern, Wäschetrocknern und Mikrowellenherden sind immer Geräte mit vollelektronischer Steuerung vorzuziehen. Die haben nämlich keine komplizierten Drehschalter mit Kontakten, welche sich abnützen können. Die Elektronik ist kontakt- und verschleißfrei, lässt sich viel einfacher bedienen und bietet vielseitigere Programme. Hände weg von Geräten mit kryptischen Buchstabenbezeichnungen der Programme, unleserlichen Piktogrammen und einem Drehschalter, der sich während des Programmablaufs von selbst dreht. Da sitzt der Teufel drin. Ein gutes Gerät erklärt sich von selbst. Wenn man jedes Mal in der Betriebsanleitung nachlesen muss, sind Bedienungsfehler vorprogrammiert.
Der Kauf:
Und nun zum entscheidenden Schritt: Dem Kauf. Das oberste Gebot lautet: Feilschen, feilschen und nochmals feilschen! Seit der Aufhebung des Rabattgesetzes sind für Verbraucher paradiesische Zustände angebrochen, wenn man es versteht, die freie Preisgestaltung zu seinen Gunsten zu nutzen. Da kann man ruhig aus dem Vollen schöpfen! Als ich unlängst meine altgediente Geschirrspülerin (die einem Defekt am mechanischen Drehschalter erlag) durch eine neue ersetzen musste, habe ich den Preis von 650 Euro auf 499 heruntergehandelt. Das war zwar ein hartes Stück Arbeit, aber wo spart man sonst so einfach 151 Euro?
Mein Erflogsrezept
Die sogenannten "nichtkartellisierten Nettoverkaufspreise für den Einzelhandel" gehören ins Märchenland. Nicht einmal Schneewittchen würde die bezahlen!
Diese Preise werden laufend von Großmärkten unterboten. Dort feilscht man dann was geht – aber kauft nicht. Ich mag die Großmärkte nämlich nicht. Dann gehe ich zu einem eingesessenen Einzelhändler und interessiere mich für das entsprechende Modell. Nach kurzem Verkaufsgespräch signalisiere ich Kaufbereitschaft. Dann geht der Verkäufer von sich aus herunter – wie bei meinem Spüler von 650 auf 580 Euro - , weil "gerade eine Aktion läuft". Ich habe nämlich durch Zögern zum Ausdruck gebracht, dass der Preis schon ein wenig hoch ist.
Und dann muss man den Verkäufer am linken Fuß erwischen: "Beim SOundSO- Markt krieg ich ihn aber um 499." (Man kann da ruhig ein paar Euro runterschummeln. Der Spüler hätte im Großmarkt 520 gekostet). Um wieder versöhnlich zu wirken, fügt man dann hinzu: "Aber ich kauf nicht gerne bei ausländischen Konzernen, mir ist ihr Geschäft viel lieber." Wenn man am Gesicht des Verkäufers merkt, dass man seinen Verhandlungsspielraum gesprengt hat, liegt man richtig. Wenn der Verkäufer nicht weggeht, um seinen Vorgesetzten zu fragen, zahlt man zu viel! Geht der Verkäufer von sich aus auf den Preis ein, muss man also nochmals unterbieten, etwa mit: "Aber eigentlich ist mir das auch zu teuer. Für so und so viel würde ich ihn nehmen...." Wenn der Preis tatsächlich abgelehnt wird, darf man nicht weich werden. Wenn nichts mehr drin ist, muss man einfach gehen und das Spiel im nächsten Geschäft abziehen. Nicht selten kommt es vor, dass man an der Schwelle noch zurückgerufen wird. Wenn sie einen wirklich ziehen lassen, ist man im nächsten Geschäft schlauer. Dann setzt man den im vorigen Geschäft abgelehnten Preis als Verkaufspreis des Discounters an.
In meinem Geschirrspüler-Fall geriet ich an eine sehr nette Verkäuferin, die dann zum Chef gehen musste, um zu fragen. Sie hatte nicht viel Hoffnung, den Preis gewähren zu können, aber der Schmäh ging rein. Ich bekam zwar das bereits ausgepackte Ausstellungsstück und musste es selbst abholen, aber das macht man bei so einem Schnäppchenpreis gern. Und seit damals werkt in meiner Küche ein superleises Gerät der von mir bevorzugten deutschen Prämiummarke, die schon anno 1929 den ersten europäischen Haushaltsgeschirrspüler auf den Markt brachte.
Wahl der Marke:
Wenn man finanziell nicht aus dem vollen schöpft – und wer tut das schon – sollte man jeweils das Einstiegsmodell einer Spitzenmarke wählen. Da ist die gleiche Technik drin wie in den teuren Modellen, aber der Preis beträgt nur die Hälfte und ist – wie oben demonstriert – durchaus verhandelbar.
Und nun viel Spaß beim Preisvergleichen und Feilschen! Ach ja – das Spiel funktioniert überall! Bei meinen Winterreifen hab ich auch 70 Euro runtergerissen und man glaubt nicht, welche Prämienstürze eintreten, wenn sich zwei Versicherungsvertreter gegenseitig unterbieten! Hab ich alles schon ausprobiert. Dem Spiel sind keine Grenzen gesetzt.
Am Anfang fühlt man sich beim orientalischen Feilschen ziemlich unwohl. Wenn es aber funktioniert – und das tut es – und man hat ein supergünstiges Schnäppchen erstanden, dann schüttet der Körper Unmengen an Endorphinen aus. Ein herrliches Glücksgefühl! Ich rate unbedingt zum Nachmachen!
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