Sgetties
Das kleine Lokal in der Jakoministraße wirbt mit dem Slogan „frisch, freundlich und fantastisch gut“. Nachdem wir an sich der Meinung sind, dass dies ausschließlich auf uns zutrifft, haben wir beschlossen, das zu überprüfen.
Auf den ersten Blick wirkt das Lokal durchaus so, als würde es diesen Vorgaben gerecht. Weiße Wände, das restliche Interieur in Holz, zartem Grün und strahlendem Gelb gehalten; insgesamt alles recht schlicht, freundlich, hübsch und langweilig.
Die KellnerInnen sind bemüht, aber optisch verhältnismäßig unspannend und haben dazu noch die undankbare Aufgabe, die Gäste von den Tischen zurück an die Theke bitten zu müssen, denn erstens ist dem unvorbereiteten Gast nicht sofort klar, dass es sich um ein Beinahe-Selbstbedienungslokal handelt und zweitens gibt es nur an den Tischen Speisekarten.
Da die Einrichtung nicht besonders aufregend ist, und auch das Personal die Blicke nur kurz auf sich zu ziehen vermag, schweift unsere Aufmerksamkeit unweigerlich nach draußen ab. Dort sieht man dann die eher tristen ersten paar Meter der auch sonst so uncharmanten Jakoministraße, auf welcher zur spannenden Aussicht dienliche Menschen höchstens schnell in Straßenbahnen vorübergekarrt werden. Einzig das Geschäftslokal des Diskontfriseurs auf der anderen Straßenseite bietet erheiternde Einblicke. Man kann das beliebte Ratespiel „Hat sich die Dame dieses Desaster gewünscht oder bekommt sie gleich einen Nervenzusammenbruch?“ spielen.
Womit wir elegant zu Frisuren übergeleitet hätten. Aber elegant ist eigentlich das falsche Wort für die Haartracht unserer Kellnerin. Wenn wir auch edel und nobel, wie wir sind privat jedem selbst überlassen, wie er die Borsten auf seiner Kopfhaut gerne tragen würde, so sind doch in der Küche eines Gastronomiebetriebes Dreadlocks eher unangebracht ... zumal die sonst offenbar zur Uniform gehörenden Kopfbedeckungen über diese Frisur nicht drüber passen und durch eine offene Schirmkappe ersetzt wurden.
Das Essen in einem Lokal, das sich auf Pasta spezialisiert, ist wohl hauptsächlich auf Grund der Qualität und Beschaffenheit dieser zu beurteilen. Die Nudeln sind im Sgetties zwar nicht so kaugummiartig wie in vergleichbaren Etablissements aber dennoch weit entfernt von al dente. Die Soßen hingegen fanden wir durchaus beglückend. Positiv zu erwähnen ist außerdem die reichhaltige Auswahl an Bio-Fruchtsäften.
Trotz der nicht ganz beeindruckenden Qualität seiner Speisen bewegt sich das Sgetties preislich stolz im Mittelfeld der Grazer Lokale.
Wenn wir auch zugeben, dass die Speisen im Sgetties frisch zubereitet sind und Personal freundlich ist, behalten wir es uns schließlich vor, das Prädikat „fantastisch gut“ auch weiterhin nur auf uns selbst anzuwenden und das Sgetties wie folgt zu beurteilen:
Text: Ulrich Braunegg und Michael Langer